Top Ten Live Songs 1979

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 26, Dezember 1979)

  1. Animal World, Last Words, 26/11, London, Music Machine (encore)
  2. The Sound Of The Suburbs, The Members, 3/3, London, Marquee (encore w Larry Wallis)
  3. Stretcher Case Baby, The Damned, 11/6, Sheffield, Top Rank
  4. Little Ole Wine Drinker Me, The Lurkers, 17/11, London, Fulham Greyhound
  5. Pick Me Up, The Lurkers, 17/11, London, Fulham Greyhound
  6. There’s Something’s Wrong, Last Words, 26/11, London, Music Machine
  7. Here Comes The Summer, The Undertones, 1/8, London, Marquee
  8. Every Schoolboy’s Dream, Last Words, 13/7, Deptford, Albany Empire
  9. Teen Beat, The Shake, 10/9, London, Nashville Rooms
  10. Fall Out, The Monochrome Set, 13/7, Deptford, Albany Empire

 

Die Lurkers sind die beste Liveband des Jahres. Obwohl ich sie in den letzten 4 Wochen 4mal gesehen habe, werden sie immer noch nicht langweilig.

Auch die Last Words werden immer besser. Ihre Tour im Vorprogramm der UK Subs hat sie zu einer fantastisch aufeinander eingespielten Einheit gemacht. Am 26. November spielten sie in der Music Machine (Camden) ihren bisher besten Gig.

Neue Songs sind

Top Secret und Games (sehr gut).

Ihre neue Single

Today’s Kids

b/w There’s Something Wrong erscheint auf Remand, im Vertrieb von Rough Trade.

Live besser als auf Platte sind:

Ian Dury & The Blockheads,

The Dials, No Dice,

Starjets,

Secret Affair, Cockney Rejects, Low Numbers,

The Chords

sowie fast alle anderen „Modbands“ … und, und, und.

 

Live Flops 1979

Von Dieter K (Same Old Songs, Nr. 26, Dezember 1979)

Das Eintrittsgeld nicht wert waren:

Screen, 24/1, Bad Vilbel

Fisher Z, 6/3, London, Marquee

Roxy Music, 14/3, Frankfurt-Höchst, Jahrhunderthalle [1]

The Human League, 26/5, Hamburg, Markthalle

Adele Bertei, 20/6, Nijmegen

The Meteors, 4/10, Wiesbaden, Wartburg

und noch ein paar andere mehr.

 

[1] Vorprogramm waren Wire, die Roxy Music nicht nur mühelos an die Wand spielten, sondern mich am Werksschutz der Farbwerke vorbei in die Halle geschmuggelt hatten. Interview und Konzertbericht (inklusive einem Treffen mit Bryan Ferry im Künstlerklo) folgt, wenn/falls ich die Unterlagen finde.

40 Jahre Stiff Records

Heute vor (unglaublichen) 40 Jahren veröffentlichte Stiff Records die erste Single (So It Goes / Heart Of The City, Nick Lowe, BUY 1).

17 Monate später stellte Trev Faull für sein Fanzine „Outlet“ die erste Label-Diskografie zusammen und verfasste „The Stiff Story … Part1“:

…  one possibly small matter that has never ceased to irrate me is that although Stiff follow the American/Continental pattern of showing record timings (rarely used in the UK until the seventies) they are consistantly inaccurate! Perhaps their comical writing policy extends in this area as well. LPs are especially bad as I have shown further on.

 

Trev Faull, Outlet, No. 1, January 1978

Instant Mythmaking!

Outlet

Outlet, Issue 1, UK Fanzine, 1978, Wasted Vinyl Collection

Stiff 78

Records (and other stuff) from Stiff, December 1978 © Wasted Vinyl

LA Punk – Live und auf Platten

Von Volker H (Same Old Song, Nr. 30, August/September 1980)

Bevor ich in die USA fuhr, fragte ich Rola Rock, auf welche Gruppe er denn am schärfsten wäre.

Er sagte: auf die Mau Maus.

Die Mau Maus stehen im Ruf, Krawalle zu provozieren (übrigens genau wie Crime und die Germs). Eine Plattenveröffentlichung gibt es von ihnen nicht, nur von einer Vorläufergruppe namens

Berlin Brats.

Im April war es soweit: Im Fleetwood (Redondo Beach) spielten die Mau Maus im Vorprogramm der Black Flag!

Außerdem spielten noch die Chiefs, die Screws und Vicious Circle.

Es sollte das beste Konzert werden, das ich je gesehen habe – wenn man berücksichtigt, dass es eben fünf sagenhafte Gruppen waren und nicht „nur“ eine wie bei Crime.

Die Mau Maus spielen gnadenlosen Power Punk, mit mehr Saft als alle Gruppe, die je Platten gemacht haben.

Es wird nie eine Schallplatte geben, die auch nur im Entferntesten das wiedergeben kann, was dort zu hören war.

Ein wahnsinnig rhythmischer Krach, in dem es keine langsamen Sekunden gibt.

Eine Overkill-Attacke!

Zwischendurch rülpst der Sänger, Rick Wilder, ins Mikrofon. Ein widerlicher Sack!

Wenn man derlei Power einmal gehört hat, gewinn man eine andere Einstellung zum Plattensammeln:

Solch einen Sound kann es im Wohnzimmer nicht geben (vom Crime-Sound kann ich mir das vorstellen).

Man muss dazu in die USA fahren, denn solche Gruppen werden kaum je nach Europa kommen.

Und dabei sind die unglaublichen Mau Maus nicht mal die besten!

Direkt nach ihnen kamen Black Flag.

Die sind extrem populär bei den jungen Punks in LA, mit einer ganz guten EP-Veröffentlichung.

Diese beachtliche EP gibt in keiner Sekunde wieder, was Black Flag live draufhaben:

Ein Kamikaze-Angriff, ein schriller Sound, der dir keine Chance läßt.

Energiefaschismus!

Black Flag würden praktisch jede beliebige Gruppe von der Bühne fegen.

Ein unglaublich dichter, satter Sound, ein Kreischen der Instrumente.

Man hört keine Einzelheiten mehr, man hört nur noch Sound, der auf dich einstürmt von allen Seiten:

Nichts bleibt übrig.

Dabei sind sie nur drei Instrumentalisten und ein Sänger. Ich verstehe einfach nicht, wie die das machen!

Es ist mir ein Rätsel.

Es gibt nichts, was dieser Power gleichkäme.

Es kann nichts geben!

 

Sollte man meinen ….

 

Aber am letzten Tagh meines Aufenthalts in Los Angeles wurde mir ein Live-Band von den Germs vorgespielt.

Sie sind unglaublicherweise noch besser!

Es ist nicht zu fassen!

Stilistisch machen sie genau das gleich wie die Mau Maus oder Black Flag.

Sie sind halt nur noch satter, noch powervoller, noch schneller!

Sie sind die schnellste Gruppe der Welt!

Die Germs sehen und dann das Ende.

Das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte gedacht, die Germs seinen fantastische Dilettanten, aber dass sie die beste Band aller Zeiten sind – besser als Crime oder Velvet Underground!!! – unglaublich!

So ein Dreck, dass ich sie verpasst habe.

Eine Woche nach meinem Abflug spielten sie wieder, nach drei Monaten Pause.

Sie haben den schrillsten Sound der Popmuski!

Sie sind die Erfüllung der Popmusk!

Sie sind die einzige Gruppe!

Sie haben die Power der Wasserstoffbombe!

Ich werde hysterisch!

Ich brauch‘ dringend eine Pause.

Meine Damen und Herren, bitte haben sie Verständnis für die kleine technische Panne.

Wir hoffen, dass es in wenigen Augenblicken weitergeht.

 

Ich bin wieder da.

Die Germs sind die endgültige Punk-Gruppe.

Sie waren nie besser als sie es heute sind.

Sie degradieren jede englische Band zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

Sie sind das, was die Sex Pistols nie waren: Chaos und Schrott und Power.

Sie degradieren auch ihre eigenen Plattenveröffentlichungen zur Bedeutungslosigkeit.

Auch die (sieben) Livestücke, die es von ihnen gibt, sind völlig anders.

„Sex Boy“ war ganz am Anfang (und wurde auch prompt aus dem Film „Up In Smoke“ rauszensiert).

„Shut Down“ ist die Abkühlnummer der Germs. Das spielen sie manchmal so lange, bis alle Fans den Saal verlassen haben. Oder sie spielen es, wenn sie zu stoned sind für alles andere.

Durch die Platten bekommt man ganz offensichtlich eine völlig falsche Vorstellung vom LA-Sound.

Völlig falsch wurde er auch von mir in einer früheren Nummer von „Same Old Song“ beschrieben, nämlich als „reativ dünn“ etc.

Peinlich, peinlich, solche inkompetenten Äußerungen.

Ach ne, und jetzt kriegst du Oberwaser?

Glaubst wohl, du kannst mich auf dem falschen Fuß erwischen?

Weißt du was: Ich streite einfach ab, dass ich jemals so was geschrieben hab!

Ich hab‘ es niemals geschrieben. Ich weiß gar nicht, wovon du redest, du Tütenkleber.

Dies ist überhaupt mein erster Artikel.

Alles reine Nervensache.

Was sachste nu?

Das Resümee:

Schallplatten haben für mich an Bedeutung verloren. Es gibt sehr viel Besseres.

Ein armer Tropf, wer hier rumhockt und schuhplattelt, äh, schallplattelt.

40 Jahre Punk in Frankfurt

Während in London die Aktivitäten rund um 40 Jahre Punk unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegenstreben, beginnen in Frankfurt gerade erst die Jubiläumsvorbereitungen.

Ist ja auch noch etwas Zeit: Abgesehen von den legendären „Kettenpunks“, die ihrer Zeit weit voraus waren, sowie einer handvoll Fanzineschreiber & Kassettenlabelmacher ging es mit dem Punk in Frankfurt ja erst ab 1980/81 so richtig los.

Flohmarkt1980

Frankfurter Punks am Eisernen Steg, circa 1980 © Wasted Vinyl

Jedenfalls ist es eine fantastische Idee, die Zeil wieder in den Originalzustand der späten 1970er Jahre (inklusive zahlreicher Baustellen) zu versetzen.

Zeil-Galerie 20160728

Zeilgalerie 28/7/2016 © Wasted Vinyl

Der Abriss der Zeilgalerie und die Einrichtung einer Fahrbahn für LKWs (die dürfen vorerst allerdings nur nachts fahren) ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Weiter so!

Wer Frankfurt für ungenießbar hält, hat nicht verstanden (oder: nicht hinnehmen können), dass die Dynamik des Kapitals eine Macht ausstrahlt, die selber längst ästhetische Formen angenommen hat … Interessant ist, wenn man beobachten kann, wie sich unter dem Einfluss der Kapitalanhäufung die Gestalt des Urbanen fortlaufend verändert und gleichzeitig seinen inneren Kern immer mehr festigt.

 

Wilhelm Genazino (2013), Tarzan am Main. Spaziergänge in der Mitte Deutschlands, München: Carl Hanser, S. 11

Eric Hysteric Nachruf im Ox-Fanzine

Gerade erst entdeckt:

OxFanzine Screenshot

Screenshot, © Ox-Fanzine #125, April/Mai 2016

Im Ox-Fanzine #125 (April/Mai 2016) erschien ein von Kalle Stille sehr schön geschriebener Nachruf auf Eric Hysteric. [1]

Mit einem Gespür für das Unkommerzielle verließ
er stets den einmal eingeschlagenen Weg, wenn es zu gefällig
wurde, und erfand sich so stets aufs Neue.

Den „eingeschlagenen Weg“ verließ Eric auch in umgekehrter Richtung:

Wer hätte nach den ersten beiden EPs damit gerechnet, dass es Der Durstige Mann in die Verkaufscharts von WOM schaffen würde?

SOECover

Saufen Ohne Ende, Wasted Vinyl, Waste 8, 1984

Das Mini-Album „Saufen Ohne Ende“ erreichte Platz 16.

Oder in die BRAVO?

 

B4TCover

Bier 4 Tot, Wasted Vinyl, Waste 11, 1984

„Bier 4 Tot“-LP (alternativer Titel: Frankfurt Jukebox Hits) verkaufte sich so gut, dass Rock-O-Rama (RRR 50) die Vermarktung übernahm.

 

[1] Vielen Dank dafür. Kleine Korrektur: Als Eric Hysteric war Erich seit dem Frühjahr 1977 (un)bekannt. Seine Karriere als Fanzineschreiber startete bereits Ende 1976 (Help!, Löhnberg). Die erste Punkband versuchte er im September 1977 zu gründen. Ab dem Sommer 1978 verkaufte Eric (gelegentlich) Platten auf dem Frankfurter Flohmarkt. Damals gab es in Frankfurt um die zehn Punks, die wie Punks aussahen (die legendären Kettenpunks) & eine Handvoll Aktivisten (Fanzine- und Tapelabelmacher wie Marcel Roth und Alptruck).

Ian Dury & The Blockheads, Offenbach, Stadthalle, 15. Mai 1979

Der Auftakt zur Deutschlandtour von Ian Dury & The Blockheads in Offenbach. Ausgerechnet am Tag nach Eric’s Geburtstag.

Dury

Tour-Flyer, Wasted Vinyl Collection

Fix & fertig von den Feierlichkeiten machten wir es uns am frühen Nachmittag in der Nähe des Künstlereingangs bequem und bemerkten zunächst nicht, dass neben uns Chaz Jankel im Gras lag.

Chaz spielt Gitarre und Keyboards und war der „musikalische Leiter“ der Blockheads. Er hat viele Songs, darunter

„Sex And Drugs And Rock And Roll“,

„Clever Trevor“,

„Billericay Dickie“,

„Hit Me With Your Rhythm Stick“ und

„Sweet Gene Vincent“ gemeinsam mit Ian geschrieben.

Chaz war sehr freundlich und fachsimpelte mit Eric über Gitarrenakkorde usw.

Vor Ian Dury, der ohnehin kein einfacher Zeitgenosse war (auf deutsch würde man die diversen Bezeichnungen, die Insider für Ian hatten, unter dem Oberbegriff „Giftzwerg“ zusammenfassen),  warnte Chaz uns, da Ian gerade extem schlechte Laune hatte und seine Ruhe haben wolle: Sogar die Blockheads gingen ihm aus dem Weg!

Dank Kosmo Vinyl, dem Stiff-Records-Faktotum [1], den wir aus London kannten, gewährte uns der Meister dann doch eine (kurze) Audienz, bei der er sogar Deutsch sprach. [2]

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Ian Dury, New Boots And Panties!!, Stiff, Seez 4, 1977, Signed, Wasted Vinyl Collection

[1] Bei Ians US-Tour (als Support-Act von Lou Reed, 1978) hatte Kosmo den Arista-Präsidenten Clive Davis aus der Garderobe im New Yorker Bottom Line geschmissen, weil er früher als abgesprochen gekommen war. Daraufhin kündigte Arista alle Verträge mit Stiff Records.

[2] Dabei ging es um Pub Rock, Punk, Stiff und die harte Arbeit (und vielen Zufälle), die dazu führten, dass ein Typ wie er zum Teenager-Idol werden konnte.

Eric Hysteric Rarities III

Neben Wasted Vinyl und Orgasm Records hatte Eric Hysteric noch ein drittes Label: Birthday Present Tapes.

Auf BPT veröffentlichte Eric MCs und Tonbänder (!) als – wie der Name schon sagt – Geburtstagsgeschenke.

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Tin Can, Birthday Present Tapes, BPT 003/4, 1982, Wasted Vinyl Collection

Ein Beispiel ist diese zweckentfremdete Tabakdose, in der die Tapes Nr. 3 & 4 waren.

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Die Tapes stammen vom japanischen HiFi-Konzern Aiwa, für den Eric damals arbeitete.

„Peggy Zoo (This Side Of Paradise)“ produzierte Eric solo in seinem Heimstudio in London W12. [1]

Die drei Titel mit den Esoterics (in diesem Fall: Andy Groome, Leigh Kendall & Dieter K) wurden am 17. September 1980 in den Elephant Studios [2] aufgenommen und

im April 1982 (Waste 45) beziehungweise

im Dezember 1983 (Waste 9) auf Singles veröffentlicht.

[1] Um die Ecke wohnte Nick Lowe, der das Haus (mit Studio) von Tony Visconti übernommen hatte. Ende 1980 / Anfang 1981 konnte man Lowes Schwiegervater (Johnny Cash) auf den Straßen rund um das Shepherd’s Bush Green sehen und im Supermarkt treffen.

[2] Das Ergebnis war so überzeugend, dass Dave Robinson (Stiff Records) und Geoff Travis (Rough Trade) später Priority-Künstler (The Pogues bzw. The Smiths) in das Studio nach Wapping schickten.

Boomtown Rats – I Don’t Like Mondays

Heute vor 37 Jahren eröffnete Richard Branson am Ostende der Oxford Street den ersten Virgin Megastore.

Stargäste waren unter anderen die Boomtown Rats, die PR für ihre neue Single machten.

BR1

Ensign Records, ENY 30 (1979), Front, Signed, Wasted Vinyl Collection

BR2

Ensign Records, ENY 30 (1979), Back, Signed, Wasted Vinyl Collection

Brexit

 

Schon 1979 hat Paul Weller den perfekten Kommentar zum verantwortungslosen Treiben von David Cameron, Alexander Boris de Pfeffel Johnson et al. geschrieben:

Thought you were clever when you lit the fuse

Tore down the House of Commons in your brand new shoes

What a catgalyst you turned out to be

Loaded the guns than run home for your tea