Patti Smith – Offenbach, Stadthalle, 20. März 1978

Von Eric Hysteric (Querschläger, Nr. 12, März 1978)

In der bis auf den letzten Platz besetzen Offenbacher Stadthalle gab Patti Smith ein atemberaubendes Konzert.

Alle Bandmitglieder waren in Hochform und Pattis Stimme swingte, wie man es so auf keiner ihrer Platten hören kann.

Pattis Versionen von Oldies wie „Be My Baby“, „Time Is On My Side“ und

„Gloria“ sowie Lenny Kayes Solo-Einlage „The Kids Are Alright“ übertrafen die Originale an Dynamik und Ausdruckskraft.

Auch die Eigenkompositionen waren viel rockiger und gehaltvoller als auf Vinyl.

Patti verausgabte sich vollkommen und riss die Fans förmlich von den Stühlen.

So gesellten sich selbst die „Intellektuellen“ so den (wenigen) Punks (beide Gruppen zählen Patti ja zu ihren Idolen) und tanzten Pogo.

Im ganzen Konzert gab es nur wenige langweilige Momente, zum Beispiel, wenn Mrs. Smith ihre Gitarrenshow übertrieb.

Doch dies verzieh ihr das Publikum gerne, und zum Schluss wurde wieder kräftig gerockt.

Patti, selbst völlig aus dem Häuschen wegen des gelungenen Auftritts, gab dem begeisterten Publikum noch etliche Zugaben.

Zuletzt rief sie ihre Mitmusiker, die sich schon verdrückt hatten, noch zweimal zurück auf die Bühne.

Als der Gig dann doch noch zu Ende war, fuhr ich mit dem Gefühl nach Hause, eines der besten Konzerte meiner Zuschauerlaufbahn gesehen zu haben.

Deshalb verzeih‘ ich sogar den Ordnern, die sich anfangs sehr autoritär und stur aufführten.

US Punk (Part 1, Teil 2)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

So, und jetzt glaubst du wohl, in den USA gibt’s keine guten Gruppen? Dass du so dämlich bist, kann ich mir gut vorstellen.

Public Image hören, was? Und heimlich Peter Maffay und Richard Klayderschrank.

Du Wichtigtuer – sei froh, dass ich mich überhaupt dazu herablasse, ausgerechnet DIR von den besten Bands aller Zeiten zu berichten!

Das ist doch eh alles nur Perlen vor die Säue geworfen! Was regst du dich auf – ist doch nur ein Sprichwort! Du fühlst dich wohl angesprochen, du Sau!

Aber in zehn Jahren sprechen wir uns wieder.

Da werdet ihr dann den gesamten Dangerhouse-Katalog sammeln und mir erzählen, dass ihr immer schon „Damage“ gelesen habt.

Aber ich werde wissen, dass es gelogen ist. Genau wie fast alle lügen, die heute so von den Velvet Underground schwärmen.

Übrigens lügen die Leute auch in Bezug auf die Sex Pistols.

Die haben so einen konsequenten Sound, dass es einfach nicht glaubwürdig ist, wenn jeder Arsch versichert, die seine das Größte. Zu viele Leute sagen das. Ich glaub‘ es einfach nicht mehr.

Tatsächlich gibt es jede Menge gute Gruppen in den USA.

Keine Frage allerdings, auch in Amerika sind die besten Tage des Punks gezählt.

In San Francisco, zum Beispiel, haben sich viele Bands der ersten Stunde aufgelöst, und die alten Zentren haben dichtgemacht.

Gerade als ich ankam, wurde der zu diesem Zeitpunk bedeutendste Klub geschlossen: The Temple beautiful, wie er im Volksmund hieß.

Mabuhay Gardens

Auch der wichtigste Klub für die Entwicklung der lokale Szene (vergleichbar mit dem Londoner Roxy), der Mabuhay Gardens (niemand nennt in „Fab Mab“, er heißt schlicht Mab), ist nicht mehr, was er mal war.

Samstags wird er sogar manchmal zu einem Aufreiss-Schuppen. Nichts wie hin!?

Die Punks sind untergetaucht und kommen nur noch aus der Erde gekrochen, wenn wirklich bedeutsame Bands spielen:

NO ALTERNATVE,

FLIPPER oder ähnliche Kamikaze-Acts.

In seinen besten Zeiten hatte der Mab kein Quer-Beet-Publikum, sondern nur trendy zurechtgemachte Punks.

Das war damals, als es noch die Avengers gab.

Über dem Eingang hängt ein Schild folgenden Inhalts: „Wer hier durchgeht, muss damit rechnen, dass es bös gefährlich wird. Also schleich dich besser …“

Einer der humorigen Einfälle von Mr. Dirk Dirksen.

Er begrüßt das Publikum mit den immer gleichen Worten: „Welcome to the almost legendary Mabuhay Gardens. Tonight we feature …”.

In den Pausen zieht er über die Punks her, auch über die echten: „Ihr Trendies, ihr blöden Touristen“.

Dirksen war immer umstritten, weil es halt viele humorlose Menschen gibt.

Siehst du, auch du findest dich hier erwähnt.

Unmittelbar nach den drei Auftritten pro Abend (sieben Tage die Woche!) geht er ans Mikro und sagt: „That’s it for tonight. Now – get out!“

Dann läuft er mit der Trillerpfeife rum.

Außen am Mab hängt ein Schild: „Beste philippinische Küche“. Natürlich gibt’s gar nichts zu essen dort.

The Deaf Club

Geschlossen ist auch der legendäre „Club of  the Deaf“, der ganz offensichtlich den Höhepunkt der San-Francisco-Musik-Szene darstellte.

Dort spielten die Bands ab und zu vor tauben Kindern. Macht doch eh keinen Unterschied!

Nachdem, was man mir erzählt hat, muss der Deaf Club so ähnlich ausgesehen haben wie das S0 36. Gott sei Dank war er aber nicht so arty-farty wie dieser.

Hoffentlich kommt jetzt endlich diese tausendmal verschobene Live-LP raus.

Schätze, die wird gut.

Von den großen SF-Bands haben sich aufgelöst oder haben entscheidende personelle Wandlungen durchgemacht:

THE AVENGERS,

THE NUNS,

THE SLEEPERS,

THE DILS und

NEGATIVE TREND.

(Hand hoch: wer kennt alle?).

Erfreulich ist, dass sich diese Gruppen eben nicht in Richtung New Wave „weiterentwickelt“ und damit angepasst haben.

Noch erfreulicher ist, dass genauso gute Gruppen nachgewachsen sind.

Und überhaupt, die beiden bedeutendsten amerikanischen Bands gibt’s sowieso noch. Was heißt hier noch? Die sind wahrscheinlich besser denn je!

In Los Angeles sind die Zeiten von The Masque zwar auch vorbei, aber wildere Musik als man sie heute im Fleetwood in Redondo Beach hören kann, hat es nie gegeben – nirgendwo auf der Welt.

Dort gibt es übrigens auch eine hübsche Notiz an der Kasse: „Neat outfit is mandatory“ oder so ähnlich.

Mit anderen Worten, es kommt keiner rein, der ein weißes T-Shirt oder Bermudashorts trägt! Verstehst du die Ironie, du halbe Portion? Ich bezweifle es.

In San Francisco sind die Auftrittsmöglichkeiten sehr viel besser, es gibt auch mehr Bands.

Eigentlich gibt es erstaunlich viele Klubs, in denen Punkbands spielen:

Back Door, Mission Rock Resort, UC in Berkeley, Berkeley Square, Old Waldorf, Savoy Tivoli, Tha Palims, A-hole, Mabuhay Gardens, Club Foot, Folsom Studios, Roosevelts, Ye Rose and Thistle etc.

Die meisten sind allerdings gemischt – und damit auch das Publikum.

In Los Angeles gibt es sehr wenige für Konzerte lizenzierte Orte. Und häufig werden Klubs nach kurzer Zeit von den Behörden dicht gemacht. Außerdem erhalten viele Bands Auftrittsverbote.

THE GERMS, zum Beispiel, sind in echter Sex-Pistols-Tradition praktisch nicht mehr aktiv, weil sie nur noch dreimal im Jahr spielen können!

Amerika ist wirklich aufregend – und ich bin wahrlich der Letzte, der den Amis wohlgesonnen wäre.

Gute Gruppen, die mir einfallen: Gears, Geza X & His Mommymen, Vs., Plugz, Witnesses, Alley Cats, Rubber City Rebels, Mutants, Contractions, Weirdos, Vktms.

Alle nicht gerade sensationell, aber solide, es lohnt sich, sie anzusehen.

Die VKTMS haben bisher drei Lieder veröffentlicht und

spielen Hau-Ruck-Punk.

Bei den GEARS spielt einer von den

CONTROLLERS mit.Die haben sich übrigens auch vor kurzem aufgelöst.

Aber so extrem gut wie erwartet sind die Gears halt nicht.

Als ich ihr erstes Lied hörte, dachte ich: Meine Fresse, das ist die Gruppe!

Dieser eine Song war genauso gut wie die Lieder von BLACK FLAG!

Black Flag? Wer ist denn das schon wieder?

Damit das ganz klar ist: die Bands, von denen ich jetzt rede, sind alle besser als die derzeitigen Punk-Nachfolger aus England (Ruts, Cockney Rejects, und ähnliches).

Und wartet erst Mal ab, bis ich zu den wirklich guten Gruppen vorstoße!

Vs. sind heute eine Frauenband. Sie bezeichnen ihre Musik als Bondage Rock – und die Gitarristin war auch schwer zurechtgemacht.

Schickeria Punk würde ich es nennen.

Die Chefin ist verheerend groß. Sie spielte mal mit dem Gedanken, eine Frauenband zu starten, bei der alle über 1,85 Meter groß sein sollten.

Total krank im Kopp.

Sie ist von David Johanson beeinflusst und auch genauso Publicity süchtig.

THE PLUGZ: Veteranen der Szene.

Ihre hochgejubelte LP war eine Enttäuschung für mich, genau wie ihr Konzert: Sie waren „nur“ gut.

Aber ihre Version von „La Bamba“ war so schnell, dass sich die Dickies wie lahme Opas anhören.

Kein Witz! Es war so schnell, dass man Text und Melodie nicht erkannte!

Jetzt kommst du dir wohl sehr schlau vor? Der Sänger hat das Lied natürlich vorher angesagt, du Nase!

Die ALLEY CATS mit ihrer attraktiven Bassistin Dianne Chai.

Die Post geht ganz gut ab, aber manchmal spielt Randy Stodola Heavy-Metal-Solis! Aber halt in Grenzen.

Zudem sieht er aus wie ein Rockabilly-Witzbold.

Ihr mit Abstand bestes Lied ist „Give Me A Little Pain“.

Die RUBBER CITY REBELS waren punkiger als ich mir sie vorgestellt hatte. Echt gute Power.

Ich weiß ja nicht, wie es bei solchen Gelegenheiten heute in England zugeht, aber hier wird noch richtig Pogo getanzt.

Allerdings nicht diesen Kollektiv-Pogo, sondern jeder versucht, den nächsten umzurennen.

Mitunter geht es echt uncool zu, aber davon später mehr…

 

Eric Hysteric & The Esoterics – The Stiff Demos

Heute vor 36 Jahren, am 17. September 1980, nahm Eric Hysteric im Elephant Studio [1]  die ersten Songs mit den Esoterics – Andy Groome (Gitarre) & Leigh Kendall (Bass) von den Last Words und David „King Bee“ Jones (Drums) von den Vomit Visions [2] – auf.

andygroomedappled

Andy spielte Gitarre und sang mit Leigh die genialen backing vocals © Dieter K

Eric wohnte in West-London, Andy & Leigh lebten (zusammen mit Tony D. und anderen vom Puppy Collective [3]) in einem besetzten Haus im Norden und das Studio war in Wapping, im Süd-Osten, hinter der Tower Bridge.

Deshalb war die Anreise zur abendlichen Aufnahmesession abenteuerlich: Zuerst mit der U-Bahn von Shepherd’s Bush zu Andy & Leigh. Dann mussten wir noch John Gunns Schlagzeug abholen [4], bevor es mit dem Taxi während der rush hour quer durch die Stadt nach Wapping ging.

Ergebnis der Session, die nur vier oder fünf Stunden dauerte – und die, im totalen Gegensatz zu den Aufnahmen der ersten Vomit Visions EP neun Monate zuvor, völlig harmonisch verlief -, waren drei Klassiker:

Während Andy & Leigh mit dem Schlagzeug im Taxi nach Hause fuhren, gingen Eric und ich die rund zehn Meilen bis zu seiner Wohnung gut gelaunt zu Fuß [5].

Im Morgengrauen waren wir zurück in der Ellerslie Road und haben uns die Aufnahmen – mit wachsender Begeisterung – in voller Lautstärke angehört [6].

erichystericstifft-shirt

Eric am 18. September 1979 voller Stolz mit dem Mastertape der „Stiff Demos“, irgendwo zwischen Wapping und Shepherd’s Bush © Dieter K

 

[1] Obwohl weder Stiff noch Rough Trade Eric einen Vertrag gaben, bemerkten Dave Robinson & Geoff Travis  die hervorragende Arbeit der Tontechniker im Elephant Studio: Zur Produktion ihrer ersten Alben schickte Stiff die Pogues (mit Elvis Costello als Produzenten) und Rough Trade The Smiths nach Wapping.

[2] Ein paar Wochen zuvor hatten wir in ähnlicher Besetzung ein paar Stunden in einem Proberaum in Walthamstow (direkt unter der Tube, die dort über der Erde fährt) geübt. Ein Tonband, auf dem vor allem viel Bass und viel Hall zu hören ist, existiert, ist aber zur Zeit verschollen.

[3] Tony D. war Herausgeber von Ripped & Torn und Kill Your Pet Puppy. Zum „Puppy Collective“ gehörte u. a. Alistair Livingstone, der, gemeinsam mit Leigh, Penny Rimbaud und anderen Mitgliedern der Crass die politische Theorie des Anarchismus erklärte. Kein Scherz: Die Crass hatten anfangs keine Ahnung, was Anarchy bedeutet. Aber da waren sie ja nicht die einzigen Punks.

Die „Punk-Intellektuellen“ rund um Tony D. bildeten eine der Keimzellen, aus der sich in den frühen 1980er Jahren die Londoner Anarcho-Punkszene entwickelte (vgl. GLASPER, Ian (2006), The Day The Country Died. A History Of Anarcho Punk 1980-1984, London: Cherry Red Books, S.166ff & BERGER, George (2008), The Story Of Crass, London: Omnibus Press, S. 10).

[4] Many thanks again to John Gunn! It was the first time I played a really good drum kit.

[5] Fun Fact: Gegen 2.00 Uhr früh begegneten wir Kermit und Miss Piggy, die Außenaufnahmen für die Muppet Show drehten.

[6] In London war laute Musik völlig normal. Zum Beispiel dröhnte in Notting Hill, damals noch kein Nobelviertel, zu jeder Tages-und Nachtzeit Reggae aus den Häusern/Bruchbuden.

US Punk (Part 1, Teil 1)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

sos26

Same Old Song, Nr 28, Wasted Vinyl Collection

Ich habe in den USA jede Menge gute Gruppen gesehen, aber auch jede Menge schlechte.

Die gibt’s offenbar überall. Da muss irgendwo ein Nest sein.

Kann mich gar nicht an alle erinnern: Humans, Nu-Kats, Symptoms, Soul Rebels, Eye Protection, Times 5, Los Microwaves, Wall Of Voodoo, Lloyds, TBA, Human Hands, Bags, Red Pencils und noch tausend andere, die ich längst vergessen habe.

Für euch Halbgare wären die meisten wahrscheinlich Kultbands ersten Ranges …

Vor allem Z’EV wäre hier ganz groß.

Ein Mann und sein Synthesizer!

Wie interessant – wie bedeutungsschwanger!

Das Publikum im Mab wollte ihn von der Bühne pfeifen, das Trotzköpfchen ging aber nicht, so dass am Schluss der Chef des Mabuhay das Publikum fragte: „Meint ihr, dass dieser Mist euer Eintrittsgeld wert war?

Sehr sympathisch.

Die meisten dieser Gruppen sind nicht mal eine Erwähnung wert.

Es ist der Art von Trash, der in Sendungen wie „Lupenrock“ (WDR) läuft.

Zu einigen möchte ich doch mal was sagen, bevor ihr im „Musikexpress“ lest oder bei Alan Bangs hört, wie toll die und die Band sei.

Die mit Abstand schlechteste Gruppe in der Geschichte der Menschheit sind LOS MICROWAVES (Bass, Schlagzeug, Orgel – das sagt alles).

Die haben schon zwei Singles draußen und treten dauernd auf.

Sie werden möglicherweise mal groß.

Die Sängerin zuckt ständig mit dem Kopp!

HUMAN HANDS waren eine Enttäuschung.

Nach freundlichen Berichten in „Slash“ etc. hatte ich Gutes erwartet, zumal der Sänger von den Consumers kommt.

? Was ist los ?

Du kennst die CONSUMERS nicht?

Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Ja, wozu rede ich mir hier den Mund fusselig?

Mann Gottes!

Die Consumers waren eine der stärksten US-Bands überhaupt.

Sie kamen aus Phoenix, Arizona, und lebten für kurze Zeit in Los Angeles.

77 HARDCORE PUNK!

Der Gitarrist spielt heute bei VOX POP und

der Drummer bei den GERMS!

Keine Ahnung wovon ich rede?

Es gibt zwar keine Plattenveröffentlichungen von ihnen, aber jede Menge exzellenter Studio- und Live-Bänder, die ihr natürlich nicht habt, hähä!

Jetzt aber mal ganz im Ernst:

Hast du wirklich noch nie was von den Consumers gehört?

Du kennst nur Devo, was?

Ja, in was für einer Welt lebst du eigentlich?

Das erinnert mich an meinen Chef, dem ich erzählte, dass ich mir den amerikanischen Punk angeguckt habe.

Was für Zeug?

Der hatte das Wort „Punk“ noch nie gehört!

Das habe ich natürlich als Kompliment aufgefasst, denn es stellte sich heraus: Er steht auf Klassik und Blasmusik.

Elvis Costello würde ihm bestimmt auch gefallen …

Zurück zu den Human Hands, die leider nur so vor sich hin dudeln.

Allerdings ist der Sänger eine der kränksten Erscheinungen auf der Bühne überhaupt.

Der wirkt fast katatonisch, so straight, dass er schon wieder ein Freak ist.

(Ihr seht, ich spreche perfekt auswärts).

Er steht einfach nur so rum, und sein Minenspiel lässt Reichsaußenminister Genscher wie einen Grimassenschneider aussehen.

Auch WALL OF VOODOO waren einfach schlecht. Sie sind in LA eine ziemlich beliebte Band und wären das auch in England.

Stilistisch könnte man ihre Musik als Perkussions-Rock bezeichnen. Man kann es natürlich auch lassen!

Die BAGS waren für mich die größte Enttäuschung in den USA überhaupt.

Allerdings sind es nicht mehr die originalen Bags, die

die starke Dangerhouse-Single gemacht haben.

Es war das letzte Konzert unter dem alten Namen. Von nun an heißen sie Plan 9.

Der Witz war, dass sie scheinbar ziemlich unpopulär bei den LA-Punks sind:

Als sie spielten waren sie die Hauptgruppe.

Die Vorgruppe (Name vergessen) war sehr gut und die Narren hüpften wie verrückt in der Gegend rum

Direkt danach gingen circa 90% des Publikums einfach weg!

Die Bags wurden ignoriert!

Klasse!

Da hatte die Sängerin natürlich was zu schimpfen!

Als die Bags endlich aufhörten, waren noch genau drei Idioten vor der Bühne – Hans Wurst mitten unter ihnen!

Keiner wollte eine Zugabe …

Die Bags haben einfach einen zu dünnen Sound, fast so dünn wie die Clash auf ihrer ersten LP (fast!).

Da fällt mir ein: In den USA habe ich zum ersten Mal einen Typen getroffen, der wie ich von Anfang an die erste LP der Clash gehasst hat!

Gerade lese ich in der BLIND-Zeitung (meine tägliche Lektüre!) die herrliche Meldung, die Fans wären auf die Clash losgegangen, weil deren Musik zu lahm war.

Tja, in Hamburg sind nicht nur die Nächte lang, sondern auch das Bier ist dunkel!

Von allen anderen schlechten Gruppen weiß ich nix mehr.

Ultravox – Mainz, Eltzer Hof, 3. März 1978

Von Eric Hysteric (Querschläger, Nr. 12, März 1978)

Seltenes Erlebnis hierzulande: Punk in Mainz.

Und dann noch eine Riesengruppe wie Ultravox! [1]

Also nichts wie Sicherheitsnadeln, Tarnfarben und Stahlhelme besorgen und abfliegen.

Ja, tatsächlich: Man konnte viele Punks in dieser oder ähnlicher Aufmachung im fast vollem Eltzer Hof erleben.

Um so mehr wunderte es, dass die deutsche Rasierklingenbrigade im Unterschied zur englischen nicht gleich voll mitging.

Obwohl Ultravox mit

„I Want To Be A Machine“ (John Foxx spielte akustische Gitarre) und

„Rockwrok“ von Anfang an mit voller Power spielte, blieb das Publikum cool und ruhig auf den Stühlen sitzen.

Dann legte John die Gitarre beiseite und widmete sich der Show. Es folgten Songs wie

„Slipaway“ und

„The Frozen Ones“.

Und das Publikum sass immer noch wie angefroren.

Doch dann der magische Moment:

„The Man Who Dies Everyday“.

Wie auf Kommando stürmten die Punks vor die Bühne und starteten ein wüstes Pogo-Gehopse.

Höhepunkte (bei diesen Songs sprangen die Punks am höchsten) waren

„Artifical Life“ und

„Saturday Night In The City Of The Dead“.

Das am Anfang nicht optimale Zusammenspiel mit dem neuen Gitarristen Robin Simon (es war erst sein vierter Gig mit Ultravox) klappte nun besser.

uvsetlist1

Set List, Front, Wasted Vinyl Collection

Zum Schluss gab’s dann noch

„The Wild The Beautiful And The Damned“, ein langsames Stück, bei dem (wie bei fast allen anderen) der Pianist und Geiger Billy Curie die musikalische Führung hatte.

uvsetlist2

Set List, Back, Signed, Wasted Vinyl Collection

Mit langem Applaus ergatterte das Publikum zwei Zugaben:

„Fear In The Western World“ und noch mal

„Rockwrok“.

ultravoxjohnfoxx

Ultravox!, Gatefold Sleeve, Island/Ariola 1977, Signed, Wasted Vinyl Collection

Dabei schrie John Foxx mit allem, was er noch an Stimme übrig hatte, ins Mikrofon.

Ein sehr starker Gig dieser englischen Gruppe: Live sind fast alle Songs noch besser als auf Vinyl.

Bliebe zu bemängeln, dass sie nur gut eine Stunde spielten. Allerdings verausgabten sich Ultravox in dieser kurzen Zeit mehr als Pink Floyd während ihrer ganzen Tournee im letzten Jahr. [2]

P.S.

Eintrittspreise:

TicketUltravoxMainz.jpg

Ticket, Front, Wasted Vinyl Collection

Abendkasse 13,- DM, Vorverkauf 11,- DM.

TicketUltravoxMainzB.jpg

Ticket, Back, Signed, Wasted Vinyl Collection

Im Londoner Marquee kostete Ultravox Ende Januar ein Pfund (4,- DM)!!! [3]

 

[1] Wir hatten Ultravox (noch mit Stevie Shears) das erste Mal Ende August 1977 beim Festival in Reading gesehen, wo sie, obwohl (oder besser gesagt: gerade weil) ihre Musik überhaupt nicht zum Rest des Programms (Ultravox spielte Samstag nachmittags zwischen der George Hatcher Band und der Little River Band) und zu den Rahmenbedingungen (drei Tage Matsch) passte, einen starken Eindruck machte.

[2] Selbstverständlich war Eric Hysteric dabei gewesen, als Pink Floyd am 26. Januar 1977 in der Frankfurter Festhalle die Sau fliegen ließen.

[3] Zum Ausgleich schenkte uns Billy Currie ein paar seltene Singles🙂

 

 

Becoming The Beach Boys (2CD)

The Complete Hite & Dorinda Morgan Sessions

Auf 2 CDs hat Omnivore alle takes (um die 45 der 63 tracks waren bislang unveröffentlicht) gesammelt, die die Beach Boys zwischen September 1961 und März 1962 bei drei sessions im recording studio von Hite und Dorinda Morgan aufnahmen.

Erstaunlich hoch war die Erfolgsquote:

Drei („Surfin‘“, „Surfin‘ Safari“ und „Surfer Girl“) der sieben songs wurden zu hits (allerdings nur „Surfin‘“ in der von Hite Morgan produzierten version).

Hinzu kommen die takes von zwei songs, die Bruce Morgan komponierte, der Sohn der Studiobesitzer.

Bei „Barbie“ sind Brian, Carl und deren Mutter Audree (backing vocals) sowie Al Jardine zu hören,

bei „What Is A Young Girl Made Of“ ist Brian der lead singer. [1]

Der sound (mastered by Mark Linett) ist wesentlich besser als auf der 1991 veröffentlichten compilation Lost And Found 1961-62. [2]

Hoch interessant und sehr detailreich sind die von Jim Murphy verfassten liner notes.

Anhören kann man das Ganze jedoch nur mit einem Ohr, wenn die music leise im Hintergrund läuft.

Aber auch dann nervt die Wiederholung des Immergleichen noch gewaltig.

Einziges highlight ist ein kurzer Dialog zwischen Brian Wilson und Hite Morgan bei der Arbeit an „Surfer Girl“ (Ende von take 6):

Brian: „I’ve got the solution guys. Can I overdub the bass guitar and the voice next time?“
Hite: “No.”

[1] Die songs veröffentlichte Randy Records auf einer Single unter dem Namen Kenny & The Cadets.
[2] Obwohl Steve Hoffman damals mit den original master tapes arbeitete. Vielleicht ist der (subjektive) Eindruck des „besseren“ sounds aber auch nur Effekt des seit Jahren tobenden loudness wars.

Eric Hysteric Rarities IV

Beeinflusst von MAD, der Neuen Frankfurter Schule & Bob Dylan (in dieser Reihenfolge), hatte Eric auch poetische Anwandlungen, das heißt, er versuchte sich als Dichter.

Stilistisch (falls davon die Rede sein kann) lag der Schwerpunkt seines literatischen Schaffens auf Nonsens-Versen:

Ich denk‘ gern an die Zeit zurück,

als mir noch hold das große Glück.

Doch nun das Pech mir an den Schuhen klebt,

und das auch, wenn ich barfuß geh‘.

Manche Gedichte nehmen die Jahrzehnte später aktuelle „Popliteratur“ vorweg:

Ich lag gerade im Bett

und las das neueste MAD.

Aus dem Radio HR3

dröhnte „Penny Lane“.

Und die Kienzle-Uhr zeigte

fast viertel nach Zehn.

 

Da schaltete ich die Braun-Anlage aus

und schüttete mir ein Glas Bier aus der Licher-Flasche raus.

Nun schluckte ich meine Togal-Schlaftablette,

da fiel es mir wieder ein:

Wie leicht kann Geldverdienen mit Schleichwerbung sein.

 

GedichtsammlungFront

Gedichtesammlung, Vorderseite, Wasted Vinyl Collection

Seine gesammelt Werke verschickte Erich 1978 in Form von fotokopierten Typoskripten (Auflage 10 bis 15 Exemplare) an diverse Verlage (natürlich nur an erste Adressen: von S. Fischer über Suhrkamp bis zu Zweitausendeins). [1]

GedichtsammlungBack

Gedichtesammlung, Rückseite, Wasted Vinyl Collection

[1] Erics ganzer Stolz war die Antwort einer Lektorin, die als Einzige das Heftchen behielt und nicht mit einem Formbrief zurück schickte.

Top Ten Live Songs 1979

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 26, Dezember 1979)

  1. Animal World, Last Words, 26/11, London, Music Machine (encore)
  2. The Sound Of The Suburbs, The Members, 3/3, London, Marquee (encore w Larry Wallis)
  3. Stretcher Case Baby, The Damned, 11/6, Sheffield, Top Rank
  4. Little Ole Wine Drinker Me, The Lurkers, 17/11, London, Fulham Greyhound
  5. Pick Me Up, The Lurkers, 17/11, London, Fulham Greyhound
  6. There’s Something’s Wrong, Last Words, 26/11, London, Music Machine
  7. Here Comes The Summer, The Undertones, 1/8, London, Marquee
  8. Every Schoolboy’s Dream, Last Words, 13/7, Deptford, Albany Empire
  9. Teen Beat, The Shake, 10/9, London, Nashville Rooms
  10. Fall Out, The Monochrome Set, 13/7, Deptford, Albany Empire

 

Die Lurkers sind die beste Liveband des Jahres. Obwohl ich sie in den letzten 4 Wochen 4mal gesehen habe, werden sie immer noch nicht langweilig.

Auch die Last Words werden immer besser. Ihre Tour im Vorprogramm der UK Subs hat sie zu einer fantastisch aufeinander eingespielten Einheit gemacht. Am 26. November spielten sie in der Music Machine (Camden) ihren bisher besten Gig.

Neue Songs sind

Top Secret und Games (sehr gut).

Ihre neue Single

Today’s Kids

b/w There’s Something Wrong erscheint auf Remand, im Vertrieb von Rough Trade.

Live besser als auf Platte sind:

Ian Dury & The Blockheads,

The Dials, No Dice,

Starjets,

Secret Affair, Cockney Rejects, Low Numbers,

The Chords

sowie fast alle anderen „Modbands“ … und, und, und.

 

Live Flops 1979

Von Dieter K (Same Old Songs, Nr. 26, Dezember 1979)

Das Eintrittsgeld nicht wert waren:

Screen, 24/1, Bad Vilbel

Fisher Z, 6/3, London, Marquee

Roxy Music, 14/3, Frankfurt-Höchst, Jahrhunderthalle [1]

The Human League, 26/5, Hamburg, Markthalle

Adele Bertei, 20/6, Nijmegen

The Meteors, 4/10, Wiesbaden, Wartburg

und noch ein paar andere mehr.

 

[1] Vorprogramm waren Wire, die Roxy Music nicht nur mühelos an die Wand spielten, sondern mich am Werksschutz der Farbwerke vorbei in die Halle geschmuggelt hatten. Interview und Konzertbericht (inklusive einem Treffen mit Bryan Ferry im Künstlerklo) folgt, wenn/falls ich die Unterlagen finde.

40 Jahre Stiff Records

Heute vor (unglaublichen) 40 Jahren veröffentlichte Stiff Records die erste Single (So It Goes / Heart Of The City, Nick Lowe, BUY 1).

17 Monate später stellte Trev Faull für sein Fanzine „Outlet“ die erste Label-Diskografie zusammen und verfasste „The Stiff Story … Part1“:

…  one possibly small matter that has never ceased to irrate me is that although Stiff follow the American/Continental pattern of showing record timings (rarely used in the UK until the seventies) they are consistantly inaccurate! Perhaps their comical writing policy extends in this area as well. LPs are especially bad as I have shown further on.

 

Trev Faull, Outlet, No. 1, January 1978

Instant Mythmaking!

Outlet

Outlet, Issue 1, UK Fanzine, 1978, Wasted Vinyl Collection

Stiff 78

Records (and other stuff) from Stiff, December 1978 © Wasted Vinyl