RIP Pete Shelley 1955-2018

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Screenshot Twitter

Buzzcocks singer Pete Shelley dies at 63

„What Do I Get“ war in Erics All Time Pop Top 20 auf Platz 12, und Hans Wurst setzte im Dezember 1979 das Bootleg Time’s Up! auf Platz 10 seiner All Time Punk LPs Top Twenty.

Tony Wilson interviews Pete Shelley & Howard Devoto 1978:

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Devo, Frankfurt, Volksbildungsheim, 16. November 1978

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Devo, Konzert-Poster, 16. November 1978, Signed, Wasted Vinyl Collection

Zwei Wochen nach Ultravox (Systems-Of-Romance-Tour) kam mit Devo der nächste von Brian Eno in Conny Planks Studio produzierte Act ins Volksbildungsheim.

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Devo, Ticket, 16. November 1978, Wasted Vinyl Collection

Da die Band schon lange in unveränderter Besetzung zusammenspielte, gelang es, den Plattensound perfekt auf die Bühne zu bringen. Außergewöhnlich war die bizarre optische Umsetzung: abgehakte Bewegungen, Kostümwechsel usw.

Hinterher besuchten Eric Hysteric und ich Devo backstage (das war damals so üblich), und ich nervte die fünf mit so weltbewegenden Fragen wie der nach ihrem Wechsel von Stiff ausgerechnet zu den prototypischen Hippie-Labels Virgin und Warner Bros. Records.

Für Devo war der Schritt logisch: Die fünf Musiker wollten ihre Musik/Botschaft weltweit verbreiten, weshalb sie auf die Strukturen der Phonoindustrie angewiesen waren.

Stiff sei zwar die erste Firma gewesen, die sich für sie interessierte (Wiederveröffentlichung der ersten beiden auf dem Devo-Label Booji Boy erschienen Singles), aber eine langfristige Kooperation war nie geplant: Virgin (in Europa) und WEA (USA) hatten die bessere Infrastruktur (und mehr Geld). [1]

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Biology is destiny

Im (jedenfalls in der Musikpresse) aktuellen Kampf zwischen Hippies und Punks sahen sich Devo zwischen allen Stühlen sitzen:

Sie seien keine Hippies (mehr), u. a. weil Hippies Technologie ablehnen: „We use it.“[1]

Zu den Punks zählten sie sich aber auch nicht: „We’re pre-Punk. We’re playing together since 1973“.

Vom Hype, den Stiff rund um die angeblich so tolle Musikszene in Akron (Ohio) entfachen wollte, hielten Devo nichts: „We’re aliens in our own home town“. Sie waren froh, endlich von dort weggekommen zu sein.

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We’re all Devo!

Musik war nur ein Aspekt der künstlerischen Aktivitäten von Devo: Die Videos/Filme waren mindestens genauso wichtig. [2]

Laut Selbsteinschätzung waren Devo experimentelle Sci-Fi-.Rocker. Mark Mothersbaugh erläuterte die von ihm und Gerry Casale ersponnene Theorie der De-Evolution:

Die Menschheit hat den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht und von nun an geht’s bergab, was kein Problem ist, sondern eine Chance (oder so ähnlich).

Wie dem auch sei. Aus meiner Sicht machten Devo Pop. Keinen „normalen“ Pop, sondern ironisch gebrochenen, ähnlich wie Blondie (Blondie & Parallel Lines) oder Gruppo Sportivo (10 Mistakes). [3]

Ich fürchte, meine diesbezüglichen musikologischen, philosophischen und soziologischen Ausführungen (Stichworte: Kitsch & Trash-Ästhetik) waren für Mark und Gerry nur wirres Geschwätz.

Von Gruppo Sportivo hatten die beiden noch nie etwas gehört. Und trotzdem klingt das von Bob Casale gesungene „Jonee, Jonee“ (bei „Come Back Jonee“) nicht nur als wären die chorus girls der holländischen Band am Werk, sondern der Backgroundgesang bei Devo entspricht dem auf dem Album 10 Mistakes auch in Form & Funktion etc.

 

[1] Gemeint waren Synthesizer, elektronische Schlagzeuge und Effektgeräte.

[2] Gesehen hatte die Videos damals so gut wie niemand.

[3] Gruppo Sportivo hatten wir Anfang Mai in Amsterdam „entdeckt“, bei einem Punkfestival, das in einem Zirkuszelt, stilecht mit Sand in der Manege, auf einem Marktplatz mitten in der City stattfand.

New Guitars (Pete Stride & John Plain), 9. Oktober 1980, London, Fulham Greyhound (wo sonst?)

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 31, November 1980)

Die Neuen Gitarren sind zwei alte Lurkers (Pete Stride, Howard Wall) & einer von den Boys (John Plain) sowie Tony Bateman (Bass) und Jack Black (Drums).

Ihre Musik klingt wie eine Pub-Version der Lurkers. Songs wie „New Guitar In Town“, „Little Old Wine Drinker Me“, „Pick Me Up”, “Pills” sind wohl allen bestens bekannt.

Howard ist der Hampelmann wie eh und je. Bei „Just Like A Clown“ verpasst er den Einsatz, beginnt von vorne – doch diesmal hat er den Text vergessen.

Danach folgt „Schoolgirls“ und Howie ist stolz: „I do know this song!“

Wer’s noch nicht gemerkt hat: Natürlich spielen die New Guitars ohne vorher geprobt zu haben und, natürlich, total besoffen – alles Alkoholiker!

So versäuft Pete Stride rund das Doppelte seiner Gage vor dem Gig, und während des Konzertes hüpft er immer mal wieder zur Theke.

Auf der Bühne steht er rum, als käme er von einem anderen Planeten. Nur ein gelegentliches Grinsen rüber zu Honest John verrät, dass er dazu gehört.

Um euch Karottenhosen noch mal daran zu erinnern:

Pete Stride ist eine der wichtigsten Figuren im UK Punk!

Klassiker wie „Shadow“, „I’m On Heat“ usw. schüttelt er einfach so zwischen zwei Drinks aus dem Ärmel.

Kurzum: Die New Guitars spielen einen Gig wie man ihn von einer Pub-Band erwartet: ungefähr so wie die Lurkers letzten Herbst …

Natürlich etwas lahmer und ohne Biss – Säufer werden schneller alt!

Vomit Visions bei ebay I

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61 Dollar für die gebrauchte „Punks Are The Old Farts Of Today“ EP. Und offenbar ohne die

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Textbeilage.

Zum Vergleich:

Das „White Album“ der Beatles kostet in der Version mit vier brandneuen 180-Gramm-LPs im gate-fold-sleeve inklusive eines Buchs (16 Seiten) und vier Fotos bei Amazon mit 83,81 Dollar nur unwesentlich mehr.BeatlesWA4LP.PNG

 

 

Dieser Blogeintrag ist dem Kölner Tonmeister gewidmet, in dessen Studio wir im Januar 1980 die EP gemastert haben. Kaum waren Hans Wurst, Rola Rock und ich gegangen, rief er den Egoldt an und warnte ihn: „So einen Mist kann man nicht veröffentlichen.“

Der Durstige Mann – Shadock (live)

Heute kann das Geheimnis der (auch nach konventionellen Maßstäben) erstaunlich guten Performance von Der Durstige Mann beim Gedächtniskonzert für Bernd Hasenfus (Elfer, Frankfurt, 24/7/2009) enthüllt werden:

Eric, Markus & Oskar, die mehr als zehn Jahre nicht mehr zusammen musiziert hatten, bereiteten sich auf ihren Auftritt akribisch (im Proberaum der Part Time Punx) vor.

„Shadock“ von den Frogs, einer frühen Frankfurter Punkband, hatte DDM bereits 1990 auf dem Album „Hellblaun“ (Vinyl: Orgasm 14, CD: Orgasm 14 EFA CD 15214 26) gecovert.

Dank an Oskar für das historische Bildmaterial.

Blondie, Düsseldorf, Philipshalle, 18. September 1978

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Wasted Vinyl Collection

Da meine Kartons mit den Unterlagen von 77/78 noch immer verschwunden sind, kann ich zum Konzert der „New Wave Sensation aus USA“ heute vor 40 Jahren in Düsseldorf [1] nur aus der Erinnerung berichten.

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Wasted Vinyl Collection

Gab es damals schon den Rock-O-Rama Laden in Köln? Wahrscheinlich nicht. Jedenfalls waren Eric Hysteric und ich vor dem Konzert auf der Suche nach einem guten Schallplattenladen und fanden in Düsseldorf nur einen (in einer Passage?), der weniger Punkplatten hatte als wir.

Die Philipshalle war eine scheußliche Betonschüssel mit miserabler Akustik.

Anstelle der Buzzcocks, die in Holland der support act gewesen waren, enttäuschten die Boyfriends.

Auch Blondie fand ich nicht so toll: Zuviel Show / Kostümwechsel von Debbie Harry.

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Interessant wurde es erst hinterher. Debbie Harry, das erste sex symbol / cultural icon,  das ich kennen lernte,  war – anders als von mir erwartet – beeindruckend „normal“, das heißt, sie hatte keine besondere „Aura“ / „Austrahlung“ etc. (und keinerlei Star-Allüren). [2]

Ins Gespräch kam ich mit Clem Burke, dem Schlagzeuger. Zusammen bestiegen wir den Tourbus und als dieser losfuhr, dachte ich: „Kein Problem. Der Erich wird schon mit dem Auto ins Hotel nachkommen“.

Dann entdeckte mich der Tourmanager und sagte: „Next stop Parkhotel Bremen“. [3]

Tja, da bin ich doch lieber ausgestiegen.

Blondie

Chrysalis CHR 192 / Phonogram 6307 632, BRD, 1978, Signed, Wasted Vinyl Collection

[1] Nach einem Konzert im Münchner Down Town Club (21. November 1977) und drei Auftritten (München, Hamburg, Berlin) Anfang des Jahres war dies das fünfte Konzert in der BRD. Hans Wurst hatte Blondie NATÜRLICH bereits am 14. Februar in der Markthalle gesehen.

[2] Im Unterschied zu u.a. Twiggy, Diana Ross und Kim Wilde.

[3] Am nächsten Tag waren Blondie (zum zweiten Mal) bei Radio Bremen zu Gast. Wenn das Konzert doch nur halb so gut gewesen wäre, wie der Musikladen-Gig.

Aus Eric Hysterics Tape-Archiv: Der Durstige Mann I

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Zweimal „DDM live“ & zwei Tapes mit den vielversprechenden Beschreibungen „Laubuseschbach Geschrammel“ (Studio-/Proberaumaufnahme, 1986) und „Monoton schnarcht!“ (aufgenommen von Oskar am Morgen nach dieser Session in Laubuseschbauch).

Aus „Monoton schnarcht“ bastelte Eric „Monoton’s Traum“ (veröffentlicht auf Himmel und Hölle, Orgasm 3, 1987).

Weitere Details sind zur Zeit noch nicht bekannt.

Wahre Worte

Gerade Musiker*innen mit „linker“, jedenfalls nicht rechter Haltung zur Welt kultivieren ihr Linkssein auch für den Markt: Als Mitte der 80er Jahre deutsche Musiker*innen der Bob-Geldof-Konzerte um „Live Aid“ nachzuahmen suchten, waren deutsche Schlagerstars ausgegrenzt. Man wollte unter sich bleiben, Grönemeyer, Lindenberg, Nena, Niedecken, eben die einschlägig Bekannten. Außer Gitte Haenning war niemand akzeptabel. Man wollte ästhetistisch kein echtes Popprodukt als politischen Marker lancieren, sondern sich selbst als Kulturlinke profilieren.


Jan Feddersen (5.9.2018), Sie ist mehr