Notting Hill Carneval ’80

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 31, November 1980)

Was fällt dir ein, wenn du an den Notting Hill Carneval denkst?

Krawalle, Besoffene und Auseinandersetzungen mit der Polizei?

Sicher, dies gehört alles dazu, aber das gibt’s auch bei jeder Dorfkirmes.

Wichtiger ist: Beim Late Summer Bank Holiday Weekend spielen in der Portobello Road mehr gute Gruppen als in Deutschland in einem ganzen Jahr.

Obwohl ich bis jetzt noch nie in Jamaika war, kann ich mir nicht vorstellen, dass dort besserer Reggae gespielt wird.

Reggae gehört zu London wie der Tower oder Big Ben.

Reggae ist Straßenmusik oder kannst du dir die Ladbroke Groove ohne Dub vorstellen?

Womit wir beim Thema wären:

Ladbroke Grove, Londons kulturelles Zentrum, tobt: Man tanzt in Gärten und überall wo sonst noch Platz ist.

Jede geeignete Stelle wird zur Off License umfunktioniert, der Bierpreis erreicht einen absoluten Höhepunkt (zwei Büchsen ein Pfund) und die dope dealer machen das Geschäft des Jahres.

Von allen Seiten dröhnt Musik, einzelne Lieder kann man nicht mehr unterscheiden.

Vor Rough Trade steht eine gewaltige PA-Anlage auf dem Bürgersteig. Auch hier natürlich kein Punk, sondern Reggae.

Weiter geht’s.

Halb zerquetscht werde ich bis unter den Westway geschoben, wo ich endlich wieder Luft holen kann. Hier spielt eine scheinbar sehr bekannte Band (ich kenn‘ sie jedenfalls nicht).

Mir fällt der vielleicht wichtigste Unterschied zwischen Punk und Reggae auf: Punk hört man am besten in kleinen Klubs, Reggae muss man im Großstadtdschungel erleben. Diese Atmosphäre kommt über keine Anlage rüber.

Ihr braucht gar nicht so dumm zu gucken!

Ich weiß, in Deutschland hört man Boney M und Nina Hagen und die Häuser in Berlin oder Frankfurt sind so gebaut, dass die Musik sowieso nicht bis auf die Straße dringt. Ganz zu schweigen von der Lärmbelästigung, die man den Nachbarn ja nicht zumuten kann.

Zum Schluss: Die Engländer haben wirklich Humor. Anstelle von Barrikaden stellt man hier Polizisten auf, die die Seitenstraßen der Portobello Road von den unzähligen Menschen abriegeln, so dass eine Einbahnstraßenregelung für Fußgänger entsteht.

Und wenn man die Portobello Road verlassen hat, muss man außen rum bis zum Notting Hill Gate zurückgehen, um sich von dort erneut ins Getümmel zu stürzen.

 

 

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