All Time Punk Songs Top Twenty (Stand August 1979)

Von Hans Wurst (Same Old Song, Nr. 25, August 1979)

Aufgepasst, ihr Wichser!

Jetzt kommt eine Aufstellung der 20 besten Lieder des bisherigen Punks!

Und glaubt bloß nicht, dass ihr hier irgendwas von Jam, Clash oder womöglich gar von E. Costello findet!

Ich rede von Punk, knallharter Musik!

Nr. 20 ist „I Wanna Kill Somebody“ von der Alan Milman Sect. Nie gehört, hä? Erschienen auf einer EP. Das Ganze hört sich an wie eine unverschämte Imitation der ersten Damned LP. Ist halt bloß noch besser, was kein Wunder ist, denn sie sind aus den USA!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 19 „Borstal Breakout“ von Sham 69.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 18 „Hot Wire My Heart“ von Crime. Crime sind aus San Francisco. Das sagt ja wohl alles. Dies war eine der ersten Punk-Singles aus den USA überhaupt (Dezember 76). Der totale Krach.

Nr. 17 „The Worm Song“ von den Yobs (in Wirklichkeit: The Boys). Ein Novelty-Song nach der Melodie von „Polly Wooly Doodle“. Fängt harmlos an und steigert sich dann ruckzuck in einen Wahnsinns-Punk-Rhythmus, etwa so, wie sich „Eddie & Sheena“ am Schluss anhört.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 16 „Solitary Confinement“ von den Weirdos (und nicht von den Members, falls ihr Deppen das gedacht habt!). Die Weirdos sind so ziemlich die powervollste Gruppe, die es je gab.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 15 „Your’re So Dumb“ von Skrewdriver. Ein wirklich starkes Lied, ist ja auch ziemlich bekannt.

 

 

 

Nr. 14 „Outside View“ von Eater. Dies ist das beste englische Punkstück überhaupt. Und ich habe nie verstanden, wieso die meisten Leute die zweite Single bevorzugen. Der Gitarrensound ist hier praktisch einmalig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 13 „Murder By Guitar“ von Crime. Die B-Seite der zweiten Single. So was hat’s noch nie gegeben. Das Lied fängt so verhalten und gleichzeitig schon aggressiv an, dass man es kaum aushält, bis sie das Tempo verdoppeln.

 

 

 

 

 

 

Nr. 12 „I Could Puke“ von White Boy. Auch wieder eine Art Novelty-Platte im Punk-Rhythmus. White Boy sind zwei Leute: Onkel und Neffe. Der Sänger ist also schon ziemlich alt. „I Could Puke“ ist witzig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 11 „Cyclotron“ von den Electric Eels. Die Platte ist auf Rough Trade erschienen und jetzt glauben alle möglichen Leute, die Electric Eels wären Engländer. Nix, aus Ohio kommen sie. Die Session, von der die Platte kommt, ist schon von 75!! Die Gruppe gibt’s längst nicht mehr, der Schlagzeuger spielt heute bei den Cramps! Die Electric Eels sind die größten Krachmacher, die es je gegeben hat. Ich schätze, die waren alle total geisteskrank – genau wie ihre Fans. Ihr größter Fan war Bradley Field (Ex-Teenage Jesus). „Cyclotron“ ist einfach unglaublich, dermaßen laut und chaotisch und trotzdem rhythmisch! Wer diese Platte nicht hat, sollte sich am besten gleich aufhängen.

 

 

 

 

Nr. 10 „We Got The Neutron Bomb“ von den Weirdos. Die A-Seite der zweiten Single. Vom Sound her genau wie „Solitary Confinement“. Die Weirdos kommen aus LA!

Nr. 9 „Decadent Jew“ von den Nuns. Die Nuns sind nach Crime die legendärste Gruppe aus San Francisco und dies ist ihre ziemlich spät erschienene erste und letzte Single. Die Nuns hatten eine sehr ungewöhnliche Besetzung: Sechs Leute, aber nur eine Gitarre! „Decadent Jew“ ist der absolute Wahnsinn. Jetzt haben sich die Nuns endgültig gespalten: Vier Mann sind ab nach New York. Dort erschien gerade ihre zweite Single, die nicht mal halb so gut ist, obwohl der „Chef“ (Alejandro Escovedo) immer noch dabei ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 8 „Animal World“ von den Last Words, und zwar in der ersten Fassung (auf Remand). Die Last Words kommen aus Australien oder lebten jedenfalls dort. Jetzt sind sie in London und bei Rough Trade unter Vertrag. Ihre neue Single ist wieder „Animal World“ in einer Neuaufnahme. Mit dieser Version sind sie mehr zufrieden, weil ihnen das Original zu weich erschien. In jedem Fall haben die Last Words den besten Sound des Punks überhaupt: Noch kompakter und konsequenter als, sagen wir mal, die zweite Ramones-LP. Sie sind auch härter als die Ramones. Für mich hören sie sich an wie die perfekte Mischung aus den Ramones und den Saints.

 

 

Nr. 7 „Destroy All Music“ von den Weirdos. Die erste Single (auf Bomp). Ein völlig anderer Sound als die MC5-Einflüsse bei „Neutron Bomb“. Extrem scharfe Klänge, die so schrill sind, dass man sie nur mit einem Messer vergleichen kann. Pogo-Punk.

Nr. 6 „California Girls“ von O’Rex. Von den besten Punkplatten zweifellos die chaotischste. Das Ganze ähnelt mehr einem Rumgekotze als allem anderen. O’Rex gibt es, glaube ich, auch nicht mehr. Sie waren ein Überbleibsel aus der Szene um die New York Dolls und bringen heute eine Zeitung heraus (O’Rexstacy), falls das wirklich dieselben Leute sind. Sie haben auch auf der Africa-Korpse-LP mitgespielt.

Nr. 5 „Who Needs You“ von den Real Kids. Erschienen auf der unausgeglichenen „Live At The Rathskeller“-LP. Im Vergleich zu den sonst hier aufgeführten Platten hört sich das schon fast old-fartig an. Mehr R&B als Punk. Trotzdem hat das so viel Power, dass man gar nicht weiß, was man sagen soll.

 

 

 

 

 

 

 

Nr. 4 „Six And Change“ von den Pagans. Die sind aus Cleveland und dies ist ihre allererste Single. Die B-Seite ist gleich noch mal „Six And Change“. Dies ist die Platte mit der meisten Power, die es je gegeben hat. Alles andere kannste vergessen. Nur Power und ein Höllenkrach, man hat Schwierigkeiten überhaupt etwas anderes als die Gitarre zu hören. Und die hört sich an, als ob zwölf auf einmal spielen.

Nr. 3 „Wondering Why“ von den Last Words. Die B-Seite der ersten Single. Der Sound ist ziemlich emotional, fast traurige Stimmung, aber mit genau so viel Power wie die A-Seite „Animal World“. Der Schlagzeuger ist wirklich unglaublich: bum, bum, bum. Einmaliges Lied, einmalig vorgetragen. Es ist schwierig, noch etwas Besseres zu finden. Aber es gibt ja noch

 

Nr. 2 „Frustration“ von Crime. Das aggressivste Lied der Popgeschichte. Danach klingt Iggy Pop wie die Bay City Rollers. Das Lied wird bestimmt von einer wahnsinnig böllernden Rhythmus-Gitarre (Johnny Strike), die sich anhört wie auf „At Night“ von den Killjoys. „Frustration“ ist sehr schwer zu bekommen. Wenn es irgendwo steht: sofort zuschlagen. Dafür lohnt sich Mord und Totschlag. „Frustration“ kann nur überboten werden von

 

 

 

 

 

Nr. 1 „Someone I Care About“ von Half Japanese. Erschienen auf der „Blub Krad“-LP. Geschrieben hat das Stück Jonathan Richman (ist auf dem ersten Album der Modern Lovers). Es ist eine Mischung von „I Heard Her Call My Name“ von den Velvet Underground und dem Gehacke von Lydia Lynchs Teenage Jesus & The Jerks. „Someone I Care About“ wird nicht mehr übertroffen werden.

Wer die letzten vier Platten nicht hat, sollte sich auf die Toilette begeben und die Wasserspülung betätigen.

Goodbye, cruel world.

Siehe auch Hans Wursts All Time Punk LPs Top Twenty in Same Old Song, Nr. 26, Dezember 1979.

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