„We’re THE LAST WORDS …

Von Eric Hysteric und Dieter K (Same Old Song, Nr. 25, September/Oktober 1979)

and this is ANIMAL WORLD!“

 

MB

Malcolm Baxter © Dieter K

Malcolm Baxter brüllt die Ansage ins Mikro und die LAST WORDS steigen voll ein. ANIMAL WORLD ist der erste von knapp 20 Titeln, die alle gleich gut sind. Die LAST WORDS spielen so, wie die besten englischen Gruppen vor zwei, drei Jahren. Ihre schnellen, harten Songs werden ohne überflüssige Schnörkel und aufgesetzte Posen, dafür mit viel Energie und Spielfreude dargeboten. Dabei werden die LAST WORDS nicht zur stumpfsinnigen Drei-Akkord-Stampf-Band.

Ihrem Live-Sound merkt man an, dass MALCOLM BAXTER (Vocals), ANDY GROOME (Guitar), LEIGH KENDALL (Bass), JOHNNY GUNN (Drums), alle Anfang 20, schon lange zusammen spielen. Alle Instrumente sind gleich stark vertreten, fügen sich zu ihrem unverwechselbaren Sound, der aggressiver und direkter ist als der der Ramones.

Songtitel wie THERE’S SOMETHING WRONG, WONDERING WHY, EVERY SCHOOLBOYS DREAM oder NO MUSIC machen deutlich, worum es den LAST WORDS geht: Alltägliche Dinge, Beobachtungen ohne pseudopolitischen Hintergrund. Besonders gut ist AUSTRALIA, gewidmet ihrem Heimatland.

AGMB

Andy Groome & Malcolm Baxter © Dieter K

ANDY GROOME und MALCOLM BAXTER schreiben seit fast zehn Jahren zusammen. Insgesamt haben sie um die hundert Songs komponiert.

ANDY: „Unsere Einflüsse sind vor allem die Beatles und die Stones.“ Er lacht. „Überhaupt die Musik der 60er Jahre. Natürlich die Easybeats und andere australische Bands, die du nicht kennen wirst“.

EH: „Wie die Beatles klingt ihr gerade nicht. Welche Punkgruppen haben euch beeinflusst? Man vergleicht euch ja mit den Ramones und den Lurkers.“

LK

Leigh Kendall © Dieter K

LEIGH: „We sound like THE LAST WORDS and we’re playing our greatest hits! Natürlich kennen wir die Ramones, aber wir sind ganz anders. Der Punk fing in Australien auch Mitte 1976 an. Es gab einige Gruppen, die Saints kennst du. Gut waren die TV Addicts, die Broken Toys.“

EH: „Und was ist mit den News?“

ANDY: „Die sind verrückt. Ich mag sie nicht.“

Die Last Words brachten im Dezember 77 ihre erste Single heraus:

ANIMAL WORLD

b/w WONDERING WHY.

Es war eine private Pressung, auf Remand. Verkauft hat sich die Platte schlecht, aber Wizard, das australische Majorlabel, gab ihnen einen 5-Jahres-Vertrag, den sie begeistert unterschrieben.

Im November 1978 erschien ANIMAL WORLD / EVERY SCHOOLBOY’S DREAM (auf blauem Vinyl).

Anfang 1979 kamen die LAST WORDS nach London, wo sie sich bessere Zukunftschancen erhofften. Gleich die erste Firma, der sie ihre Single vorspielten, war begeistert: Rough Trade wird drei Singles herausbringen.

Im Juli erschien dann wieder ANIMAL WORLD, diesmal mit

NO MUSIC auf der Rückseite (RT 022).

Allerdings kassiert Wizard kräftig mit: Von den 50 Prozent, mit denen alle Rough-Trade-Bands am Gewinn beteiligt sind, bleiben den LAST WORDS nur 2,5 Prozent.

Im Sommer spielten die LAST WORDS ihre ersten Gigs in kleinen Londoner Klubs. Ich sah‘ sie bei ihren Auftritten Nr. 4 & 5. Am 16. August waren sie Vorgruppe von Spizz Energie im Nashville.

Rat Scabies Nashville Rooms

Wenn er nicht selbst auf der Bühne stand, hing Rat Scabies in den Londoner Clubs rum. Dabei hatte er immer einen Drink in der Hand und war (oft) umschwärmt von schönen Frauen © Dieter K

Spizz Energie waren ziemlich schlimm. Rat Scabies, der sich an der Bar volllaufen ließ, schmeichelte ihnen, als er meinte: „Interesting.“

Die Last Words waren sehr gut. Sie spielten ihre sechzehn Songs mit viel Power und zeigten, dass sie den Ramones bald überlegen sein werden.

Wären die LAST WORDS vor drei Jahren nach England gekommen, dann wären sie heute da wo die Clash oder die Adverts sind.

Dafür haben sie 1979 noch alles, was die etablierten Bands längst verloren haben: Energie, Spielfreude, den Glauben an ihre Musik. Und sie geben nicht vor, die Welt verändern zu können.

Die LAST WORDS werden von Auftritt zu Auftritt besser, wie sie zwei Tage später im Electric Ballroom bewiesen. Vor ihrem bis jetzt größten englischen Publikum zeigten sie, was in ihnen steckt. Zwar waren die UK Subs die Stars des Abends, aber ich bin überzeugt, dass die LAST WORDS in einem halben Jahr der Geheimtipp aller „Insider“ sein werden.

Übrigens wurden von der Rough-Trade-Single in den ersten drei Wochen 2.500 Exemplare abgesetzt. Am 1. September spielte Stuart Henry NO MUSIC in seiner „Street Heat“-Show (englisches Programm von Radio Luxembourgh, 208). Damit dürfte der Verkauf der nächsten paar tausend Singles sicher sein.

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