Dead Kennedys, Bonn, Rheinterrassen, 15. Oktober 1980

Von Dieter K (Same Old Song, Nr. 32, Dezember 1980)

Dead Kennedys Konzertberichte konntet ihr in diesem Fanzine eigentlich schon genug lesen, aber wenn ich jetzt nochmal loslege, dann

1. um euch Deppen auch mal etwas hinter die Kulissen schauen zu lassen.
2. Damit ihr endlich merkt, was für lächerliche Nullen ihr seid. Und
3. soll es doch immer noch Leute geben, die unsere Berichte usw. für erstunken und erlogen halten (ja, ihr seid gemeint!!).

Also, 15. Oktober, erster Deutschland-Gig der DKs in Bonn. Die gesamte lokale Punkszene, bequem in einem R5 untergebracht, fährt natürlich hin. Und trotz der obligatorischen Diskussionen über den richtigen Weg (diesmal lag sogar ich daneben) (Von wegen diesmal: Immer! Volker H), finden wir Bonn und auch die Rheinterrassen auf Anhieb.

Ein paar gefährlich aussehende Punks sind schon da, sonst ist noch nichts los und wir verschwinden in die nächsten Kneipe.

Volker kann kaum ruhig sitzen. Nervös nippt er an seiner Cola, schaut sich dauernd um, und plötzlich steht er auf und stürzt ins Freie. Instinktiv geh‘ ich ihm nach.

Auf der Treppe vor dem Eingang hat sich inzwischen eine ganze Horde Punks versammelt, alle in voller Montur und Kriegsbemalung. Drinnen hört man einen Drummer beim Soundcheck.

„Mann, die sind schon da. Platz da, lasst mich durch!“

Volker schiebt sich vor die Tür und hämmert dagegen.

„Da muss ich rein. Macht auf!“

Die Punks werden aufmerksam und eine besonders vorlaute Nina-Hagen-Imitation pöbelt los [1] :

„Verschwinde lieber. So wie du aussiehst, hast du hier nichts verloren!“

Volker ignoriert sie und versucht einem Ordner klar zu machen, wer und was er ist:

„Ich kenn‘ den Jello. Ich gehör‘ praktisch dazu.“

„Wer ist das denn?“

„Der Sänger der Dead Kennedys, mein Gott!“

„Ach so. Aber der ist noch nicht da und jetzt darf noch keiner rein.“

Die Punkgöre triumphiert:

„Zisch ab! Die Dead Kennedys hassen Fans. Und dir schlagen die gleich in die Fresse!“

In diesem Moment kommt jemand von hinten.

„Hi Volker, nice to see you!“

Die Punks sind baff und wir marschieren mit Jello Biafra in die Halle.

Jello und Volker sind sofort in ein Fachgespräch vertieft, denn Biafra ist ein mindestens genauso kranker Plattensammler wie der Punkprofessor.

Zwei verrückte Schallplattensammler: Volker H & Jello Biafra © Dieter K

Zwei verrückte Schallplattensammler: Volker H & Jello Biafra © Dieter K

Es geht ja das Gerücht um, dass die Dead Kennedys ihr ganzes Geld für Drogen ausgeben, nur Biafra gibt alles für Platten aus, aber Klaus Flouride, der Bassist, streitet das mit den Drogen entschieden ab.

Dann geht der Soundcheck richtig los, und alles, was ich bislang über Westcoast Punk gehört habe, bestätigt sich schon bei den ersten Akkorden.

Volker und ich stehen vor der Bühne – aufgepasst – jetzt kommt’s:

Jello Biafra singt, unterbricht und fragt: „Volker, is the sound alright? Are the vocals loud enough?“

Volker gibt seine Anweisungen: „More guitar and more vocals.“

Soundcheck © Dieter K

Soundcheck © Dieter K

Jetzt ist er erstmal stumm, was bei ihm ja selten genug vorkommt. Dann sprudelt er los:

„Hast du das gehört? Mich hat er gefragt! Ja, ich bin der Experte!“

D. H. Peligro © Dieter K

D. H. Peligro © Dieter K

Das Konzert war dann auch noch besser als ich erwartet hatte. Erstaunlich auch, wie begeistert das Publikum – so viele Punks auf einem Haufen hab‘ ich selbst 1977 in London nicht gesehen – mitging.

Jello Biafra beim crowd surfen © Dieter K

Jello Biafra beim crowd surfen © Dieter K

Man darf wieder hoffen, dass Punk die New Wave und insbesondere die Neue Deutsche Welle überlebt.

Nach dem Gig wurde Jello Biafra unendlich lange von einem Videoteam interviewt (das ganze Konzert wurde gefilmt und läuft bei WDR3). Da ließ er seinen „politischen Ballast“ vom Stapel und auf so dämliche Fragen wie: Was bedeutet Dead Kennedys? erzählte er von amerikanischen Idealen usw. Wer sich dafür interessiert, der möge doch im ZigZag vom letzten Monat (November 1980) nachlesen oder sonst wo.

Backstage TV-Interview © Dieter K

Backstage TV-Interview © Dieter K

Ob mit oder ohne Politik: Die Dead Kennedys sind, zumindest live, eine der absoluten Topgruppen.

Zitat der Woche:

Das war ja kein bisschen aggressiv! Die Dead Kennedys sind eine Joke Band!

 

Rola Rock

Aber wer nimmt schon Rola Rock ernst? [2]

[1] Die Kleine spielte übrigens die Hauptrolle in dem Film, den der WDR damals produziere. Hier ist sie (ab 0:26) in Action zu erleben:

Und wer den ganzen Film sieht, der kann auf der Bühne die Vomit Visions (minus Eric Hysteric) und Jürgen Zeltinger entdecken, vor dessen Annäherungsversuchen wir Jello Biafra rechtzeitig gewarnt hatten.

[2] Offenbar die Dead Kennedys:

Bei „Religious Vomit“ klingen die Gitarren nach Eric Hysteric und Jello Biafra versucht sich an einer Rola-Rock-Parodie.

Zum Vergleich das Original.

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