London Live Scene Januar 1980

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 27, April 1980)

Im Januar ist auch in England Winter, zum Glück ist es hier aber nicht so kalt wie in Germany.

Man kann Cabaret-Acts wie Blondie und The Clash bewundern, auf Gruppen wie die Psychedelic Furs oder die Slits speeden und Tickets für die Ramones und (hoffentlich) bald für Elvis kaufen.

Ansonsten geht man eher zu Konzerten, um Bier zu trinken oder um sich über die Bands zu amüsieren.

Bei den folgenden Gigs stand ich an der Bar:

Crass & Poison Girls, Moonlight Club, 7. Januar

Propaganda für Anarchisten und ’ne Predigt für Atheisten.

Musikalisch gesehen sind die Poison Girls Nieten.

Die Crass haben immerhin 3 bis 5 bessere Songs.

Frage: Warum Prügeln sich Punks und Skinheads bei solchen Konzerten?

Antwort: Weil es nichts besseres zu tun gibt.

Fatal Microbes & Dangerous Girls, Moonligh Club, 8. Januar

Die Dangerous Girls sind eine alberne Klamauk-Truppe. Kann man getrost vergessen.

Fatal Microbes sind 100%ige Amateure. Sie haben nicht den geringsten Durchblick und wissen kaum, wie ihre eigenen Songs gehen.

Dafür hat die Sängerin Honey Bane sehr viel Charme.

Holly & The Italians, Hope’n’Anchor, 10. Januar

Eine Überraschung – ein Power-Pop-Trio mit Originalität!

Fantastische Lieder, dabei eine neue Version des Klassikers „Chapel Of Love“.

Die Sängerin hat eine überzeugende Stimme und der Sound ist toll, erinnert an die frühen Ramones.

The Flys, Fulham Greyhound, 13. Januar

Vorgruppe: Oxy & The Morons, Mittelmäßiger R&B.

Eigentlich erwartete ich einen geruhsamen Abend mit einer Laid-Back-Band.

Doch was kam?

Rock’n’Pop der Spitzenklasse!

Auf Platte hatten mich die Flys nie besonders beeindruckt. Alles war glatt und kalkuliert. Doch auf der Bühne „leben“ sie ihre Songs und der Rhythmus steht eindeutig im Vordergrund.

This is Rock’n’Roll – Live On Stage wird losgefetzt und es macht Spaß zuzuschauen.

Mein Rat: Bringt endlich eine Live EP raus!

The Vibrators, Marquee Club, 14. Januar

Die Haare sind wieder gewachsen, die Punks haben sich wieder beruhigt. Was liegt also näher als eine Reunion?

Vibrators Revival Band. Sie spielen alte Rock’n’Roll-Klassiker, ihre eigenen Songs (London Girls, Baby Baby, Judy Says)

und ein paar neue Lieder.

Dies alles schleppt sich träge dahin – und ich komme mir vor wie auf einem Klassentreffen vom Jahrgang 1900.

Bishops, Nashville Rooms, 18. Januar

Keiner unter 20, die neue Regel im Nashville. Das heißt, das Publikum besteht aus Hippies oder Touristen oder aus Touristen und Hippies.

Schlimm für die Gruppen, genauso schlimm aber auch für mich. Doch dafür können die Bishops natürlich nichts. Sie spielen guten Rock’n’Roll und R&B – eine good time band. Nicht mehr, aber das ist doch auch schon was.

Der Sänger macht auf mich einen arroganten Eindruck. Die Bishops haben keinen Funken Originalität. Jedes ihrer eigenen Lieder klingt wie zusammengeklaut.

Höhepunkt waren „Route 66“ und die Zugabe – „It’s All Over Now“.

Eben, Schluß!

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