Vomit Visions – Die Produktion der zweiten Single

Von Volker H (Hard Core Punk, Nr. 35, August 1981)

Die Herstellung der zweiten VOMIT VISIONS Single. Oje!

Aufgenommen wurde unter mehr oder weniger professionellen Bedingungen (Oha!) beim „Wirtschaftswunder“ Tom Dokoupil in Diez. 300 DM kostet so was. Sein Studio 61 kann man jedem empfehlen.

Diesmal waren die Original-VVs unter sich:

ERIC HYSTERIC – Gitarre
HANS WURST – Bass
ROLA ROCK – Geschrei
NERVOUS DIETER – Drums

Vier Dilettanten, wie sie wohl auch in Frankfurt nicht noch mal anzutreffen sind.

„Bassist“ und „Sänger“ sind nach herkömmlichen musikalischen Kriterien eigentlich überhaupt nicht vorhanden. Auch nach über zwei Jahren als Gruppenmitglied hat es es keiner von beiden auch nur andeutungsweise geschafft, seine musikalischen Fähigkeiten zu erweitern.

Bei der Produktion der vier neuen Lieder hat es sich aber herausgestellt: Rola Rock ist – so unglaublich es auch klingt – eher noch unmusikalischer als Hans Wurst. Roland kann nämlich nicht mal den simpelsten Rhythmus (hinter mit „h“) halten. Also macht er das einzige, was er kann: Von Anfang bis Ende irgendwas ins Mikro brüllen.

Alle Mitglieder der VVs – vor allem Roland selber – sind der Meinung, dass Rola Rock der beste lebende Rocksänger ist!

Größenwahn?

Keine Spur, schließlich ist Darby Crash tot und Johnny Rotten zumindest scheintot. Und was hierzulande als Punksänger vorgestellt wird – Schwamm drüber …

Und ob ihr’s glaubt oder nicht. Den besten Gitarristen haben sie jetzt auch: Eric Hysteric.

Schon auf seiner erstaunlichen LP ist die Power seiner Gitarre nicht zu überhören. Die Fuzzbox macht’s möglich.

Aber bei den VOMIT VISIONS gelten doch andere Maßstäbe.

Um Gottes Willen keine Melodien und so viel Chaos wie möglich, lautet die Devise.

Auf der kommenden Single ist die Gitarre von Eric voll zu hören. Wer die LP kennt, kann sich ausrechnen, was das bedeutet:

Ein wüstes Geschrammel völlig hysterisch überdrehter Gitarren. Irgendwann grölt dann noch Rola Rock, Bass und Schlagzeug fallen gar nicht auf.

Drums und Bass könnte man auch weglassen – die Drums sowieso. Das wäre auch nicht weiter schlimm.

Man kann nur hoffen, dass der Sound des Mastertapes voll auf die Platte kommt. Denn Eric spielt die schrillste Gitarre, die es überhaupt gibt: Tom Dokoupil musste sich dauernd die Ohren zu halten!!!

Einen solchen satten Sound hat es jedenfalls in Europa noch nicht gegeben.

Und dabei sind die VVs vom gewöhnlichen Rock weiter entfernt als alle anderen Konkurrenzgruppen!

Keine Chance, bei diesem Sound „abzuheben“.

Radikaler Punk und nichts Anderes!

Die einzigen Gruppen, die da noch mitkommen, sind aus den USA.

Das Ganze ist natürlich eine freche Imitation der Germs, und nichts Anderes war geplant.

Die Germs klingen mit den VOMIT VISIONS verglichen (aber nur mit diesen!) fast schon kommerziell erträglich!

Das kann man von den VVs nicht behaupten. Sie klingen wüst unprofessionell. Schrilles und stupides Gehacke bestimmt ihren Sound.

Wem’s nicht passt, hat nichts verstanden!

Wer die VOMIT VISIONS EP nicht mochte, braucht sich die neue Single gar nicht anhören: Es gibt keinen Fortschritt.

Im Gegenteil: Nachdem Hans Wurst auf der ersten Platte schon zwei Saiten seines Basses benutzte, benötigt er jetzt nur noch eine!

Der Unterschied zur „Punks Are The Old Farts Of Today“-EP besteht lediglich darin, dass jetzt Erichs Gitarre zu hören ist, und dass sie dreimal so schnell spielen.

Während bei der ersten Platte das Chaos durch die katastrophalen Aufnahmebedingungen zu Stande kam, liegt das Chaos jetzt in der Struktur der „Musik“ selber.

Und die Produktion unterstreicht das nur noch.

Sämtliche Songs wurden am Abend vor den Aufnahmesessions geschrieben, und so hören sie sich auch an. Keines der drei Stücke ist länger als eine Minute. Das vierte Lied geriet etwas länger, aber es kommt sowieso nicht auf die Platte – zu kommerziell!

Absolut jeder, dem wir die vier Lieder vorgespielt haben, meinte, dass die drei kurzen Lieder Mist seien, „I Hate The World“ aber sei fantastischer Rock’n’Roll, blah, blah, blah.

Auch Rock-O-Rama wollte den VOMIT VISIONS nur unter der Bedingung einen Vertrag geben, dass alle vier Lieder draufkommen. Das haben wir selbstverständlich glatt abgelehnt. Bringen wir die Platte eben selbst heraus.

Der Name VOMIT VISIONS bleibt ein Versprechen.

Noch eine Nachbemerkung:

Die Produktion der Single ist wirklich gelungen: Ein extrem heller und schriller Klang, der in den Ohren wehtut. Tiefe Töne gehen im allgemeinen Lärm unter.

Genau so muss Hard Core Punk klingen!

Für die Produktion ist niemand anderes verantwortlich als ich selber!

Geza X, move over!

Mit mir als Produzenten hatten die VVs natürlich die richtige Wahl getroffen, denn als profunder Kenner des Hollywood- (jetzt Huntington Beach-) Punks bin ich selbstverständlich erste Wahl, wenn’s um Ultra Hard Core Punk geht. Es gibt niemanden, der mir reinreden könnte.

Schon gar nicht die VOMIT VISIONS!

Dazu eine Aufstellung der Lieblingsgruppen der VV-Mitglieder:

Hans Wurst: Germs & Crime

Nervous Dieter: Olivia Newton-John & Jona Lewie

Rola Rock: Chic & Michael Jackson

Eric Hysteric: The Kinks & Black Flag

Volker H dagegen: Velvet Underground

Das sagt doch wohl alles …

Die VOMIT VISIONS sind ein Haufen Wirrköpfe.

Man kann sich wohl vorstellen, was ohne meine straffe Produktion herausgekommen wäre!

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