US Punk (Part 2): L.A. live und auf Vinyl

Von Volker H (Same Old Song, Nr. 30, September 1980)

Bevor ich in die USA fuhr, fragte ich Rola Rock, auf welche Gruppe er denn am schärfsten wäre.

Er sagte: auf die Mau Maus.

Die Mau Maus stehen im Ruf, Krawalle zu provozieren (übrigens genau wie Crime und die Germs). Eine Plattenveröffentlichung gibt es von ihnen nicht, nur von einer Vorläufergruppe namens

Berlin Brats.

Im April war es soweit: Im Fleetwood (Redondo Beach) spielten die Mau Maus im Vorprogramm der Black Flag!

Außerdem spielten noch die Chiefs, die Screws und Vicious Circle.

Es sollte das beste Konzert werden, das ich je gesehen habe – wenn man berücksichtigt, dass es eben fünf sagenhafte Gruppen waren und nicht „nur“ eine wie bei Crime.

Die Mau Maus spielen gnadenlosen Power Punk, mit mehr Saft als alle Gruppe, die je Platten gemacht haben.

Es wird nie eine Schallplatte geben, die auch nur im Entferntesten das wiedergeben kann, was dort zu hören war.

Ein wahnsinnig rhythmischer Krach, in dem es keine langsamen Sekunden gibt.

Eine Overkill-Attacke!

Zwischendurch rülpst der Sänger, Rick Wilder, ins Mikrofon. Ein widerlicher Sack!

Wenn man derlei Power einmal gehört hat, gewinn man eine andere Einstellung zum Plattensammeln:

Solch einen Sound kann es im Wohnzimmer nicht geben (vom Crime-Sound kann ich mir das vorstellen).

Man muss dazu in die USA fahren, denn solche Gruppen werden kaum je nach Europa kommen.

Und dabei sind die unglaublichen Mau Maus nicht mal die besten!

Direkt nach ihnen kamen Black Flag.

Die sind extrem populär bei den jungen Punks in LA, mit einer ganz guten EP-Veröffentlichung.

Diese beachtliche EP gibt in keiner Sekunde wieder, was Black Flag live draufhaben:

Ein Kamikaze-Angriff, ein schriller Sound, der dir keine Chance läßt.

Energiefaschismus!

Black Flag würden praktisch jede beliebige Gruppe von der Bühne fegen.

Ein unglaublich dichter, satter Sound, ein Kreischen der Instrumente.

Man hört keine Einzelheiten mehr, man hört nur noch Sound, der auf dich einstürmt von allen Seiten:

Nichts bleibt übrig.

Dabei sind sie nur drei Instrumentalisten und ein Sänger. Ich verstehe einfach nicht, wie die das machen!

Es ist mir ein Rätsel.

Es gibt nichts, was dieser Power gleichkäme.

Es kann nichts geben!

 

Sollte man meinen ….

 

Aber am letzten Tagh meines Aufenthalts in Los Angeles wurde mir ein Live-Band von den Germs vorgespielt.

Sie sind unglaublicherweise noch besser!

Es ist nicht zu fassen!

Stilistisch machen sie genau das gleich wie die Mau Maus oder Black Flag.

Sie sind halt nur noch satter, noch powervoller, noch schneller!

Sie sind die schnellste Gruppe der Welt!

Die Germs sehen und dann das Ende.

Das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte gedacht, die Germs seinen fantastische Dilettanten, aber dass sie die beste Band aller Zeiten sind – besser als Crime oder Velvet Underground!!! – unglaublich!

So ein Dreck, dass ich sie verpasst habe.

Eine Woche nach meinem Abflug spielten sie wieder, nach drei Monaten Pause.

Sie haben den schrillsten Sound der Popmuski!

Sie sind die Erfüllung der Popmusk!

Sie sind die einzige Gruppe!

Sie haben die Power der Wasserstoffbombe!

Ich werde hysterisch!

Ich brauch‘ dringend eine Pause.

Meine Damen und Herren, bitte haben sie Verständnis für die kleine technische Panne.

Wir hoffen, dass es in wenigen Augenblicken weitergeht.

 

Ich bin wieder da.

Die Germs sind die endgültige Punk-Gruppe.

Sie waren nie besser als sie es heute sind.

Sie degradieren jede englische Band zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

Sie sind das, was die Sex Pistols nie waren: Chaos und Schrott und Power.

Sie degradieren auch ihre eigenen Plattenveröffentlichungen zur Bedeutungslosigkeit.

Auch die (sieben) Livestücke, die es von ihnen gibt, sind völlig anders.

„Sex Boy“ war ganz am Anfang (und wurde auch prompt aus dem Film „Up In Smoke“ rauszensiert).

„Shut Down“ ist die Abkühlnummer der Germs. Das spielen sie manchmal so lange, bis alle Fans den Saal verlassen haben. Oder sie spielen es, wenn sie zu stoned sind für alles andere.

Durch die Platten bekommt man ganz offensichtlich eine völlig falsche Vorstellung vom LA-Sound.

Völlig falsch wurde er auch von mir in einer früheren Nummer von „Same Old Song“ beschrieben, nämlich als „reativ dünn“ etc.

Peinlich, peinlich, solche inkompetenten Äußerungen.

Ach ne, und jetzt kriegst du Oberwaser?

Glaubst wohl, du kannst mich auf dem falschen Fuß erwischen?

Weißt du was: Ich streite einfach ab, dass ich jemals so was geschrieben hab!

Ich hab‘ es niemals geschrieben. Ich weiß gar nicht, wovon du redest, du Tütenkleber.

Dies ist überhaupt mein erster Artikel.

Alles reine Nervensache.

Was sachste nu?

Das Resümee:

Schallplatten haben für mich an Bedeutung verloren. Es gibt sehr viel Besseres.

Ein armer Tropf, wer hier rumhockt und schuhplattelt, äh, schallplattelt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s