US Punk (Part 1, Teil 1)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

sos26

Same Old Song, Nr 28, Wasted Vinyl Collection

Ich habe in den USA jede Menge gute Gruppen gesehen, aber auch jede Menge schlechte.

Die gibt’s offenbar überall. Da muss irgendwo ein Nest sein.

Kann mich gar nicht an alle erinnern: Humans, Nu-Kats, Symptoms, Soul Rebels, Eye Protection, Times 5, Los Microwaves, Wall Of Voodoo, Lloyds, TBA, Human Hands, Bags, Red Pencils und noch tausend andere, die ich längst vergessen habe.

Für euch Halbgare wären die meisten wahrscheinlich Kultbands ersten Ranges …

Vor allem Z’EV wäre hier ganz groß.

Ein Mann und sein Synthesizer!

Wie interessant – wie bedeutungsschwanger!

Das Publikum im Mab wollte ihn von der Bühne pfeifen, das Trotzköpfchen ging aber nicht, so dass am Schluss der Chef des Mabuhay das Publikum fragte: „Meint ihr, dass dieser Mist euer Eintrittsgeld wert war?

Sehr sympathisch.

Die meisten dieser Gruppen sind nicht mal eine Erwähnung wert.

Es ist der Art von Trash, der in Sendungen wie Lupenrock (WDR) läuft.

Zu einigen möchte ich doch mal was sagen, bevor ihr im Musikexpress lest oder bei Alan Bangs hört, wie toll die und die Band sei.

Die mit Abstand schlechteste Gruppe in der Geschichte der Menschheit sind LOS MICROWAVES (Bass, Schlagzeug, Orgel – das sagt alles).

Die haben schon zwei Singles draußen und treten dauernd auf.

Sie werden möglicherweise mal groß.

Die Sängerin zuckt ständig mit dem Kopp!

HUMAN HANDS waren eine Enttäuschung.

Nach freundlichen Berichten in Slash etc. hatte ich Gutes erwartet, zumal der Sänger von den Consumers kommt.

? Was ist los ?

Du kennst die CONSUMERS nicht?

Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Ja, wozu rede ich mir hier den Mund fusselig?

Mann Gottes!

Die Consumers waren eine der stärksten US-Bands überhaupt.

Sie kamen aus Phoenix, Arizona, und lebten für kurze Zeit in Los Angeles.

77 HARDCORE PUNK!

Der Gitarrist spielt heute bei VOX POP und

der Drummer bei den GERMS!

Keine Ahnung wovon ich rede?

Es gibt zwar keine Plattenveröffentlichungen von ihnen, aber jede Menge exzellenter Studio- und Live-Bänder, die ihr natürlich nicht habt, hähä!

Jetzt aber mal ganz im Ernst:

Hast du wirklich noch nie was von den Consumers gehört?

Du kennst nur Devo, was?

Ja, in was für einer Welt lebst du eigentlich?

Das erinnert mich an meinen Chef, dem ich erzählte, dass ich mir den amerikanischen Punk angeguckt habe.

Was für Zeug?

Der hatte das Wort „Punk“ noch nie gehört!

Das habe ich natürlich als Kompliment aufgefasst, denn es stellte sich heraus: Er steht auf Klassik und Blasmusik.

Elvis Costello würde ihm bestimmt auch gefallen …

Zurück zu den Human Hands, die leider nur so vor sich hin dudeln.

Allerdings ist der Sänger eine der kränksten Erscheinungen auf der Bühne überhaupt.

Der wirkt fast katatonisch, so straight, dass er schon wieder ein Freak ist.

(Ihr seht, ich spreche perfekt auswärts).

Er steht einfach nur so rum, und sein Minenspiel lässt Reichsaußenminister Genscher wie einen Grimassenschneider aussehen.

Auch WALL OF VOODOO waren einfach schlecht. Sie sind in LA eine ziemlich beliebte Band und wären das auch in England.

Stilistisch könnte man ihre Musik als Perkussions-Rock bezeichnen. Man kann es natürlich auch lassen!

Die BAGS waren für mich die größte Enttäuschung in den USA überhaupt.

Allerdings sind es nicht mehr die originalen Bags, die

die starke Dangerhouse-Single gemacht haben.

Es war das letzte Konzert unter dem alten Namen. Von nun an heißen sie Plan 9.

Der Witz war, dass sie scheinbar ziemlich unpopulär bei den LA-Punks sind:

Als sie spielten waren sie die Hauptgruppe.

Die Vorgruppe (Name vergessen) war sehr gut und die Narren hüpften wie verrückt in der Gegend rum

Direkt danach gingen circa 90% des Publikums einfach weg!

Die Bags wurden ignoriert!

Klasse!

Da hatte die Sängerin natürlich was zu schimpfen!

Als die Bags endlich aufhörten, waren noch genau drei Idioten vor der Bühne – Hans Wurst mitten unter ihnen!

Keiner wollte eine Zugabe …

Die Bags haben einfach einen zu dünnen Sound, fast so dünn wie die Clash auf ihrer ersten LP (fast!).

Da fällt mir ein: In den USA habe ich zum ersten Mal einen Typen getroffen, der wie ich von Anfang an die erste LP der Clash gehasst hat!

Gerade lese ich in der BLIND-Zeitung (meine tägliche Lektüre!) die herrliche Meldung, die Fans wären auf die Clash losgegangen, weil deren Musik zu lahm war.

Tja, in Hamburg sind nicht nur die Nächte lang, sondern auch das Bier ist dunkel!

Von allen anderen schlechten Gruppen weiß ich nix mehr.

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