US Punk (Part 1, Teil 2)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

So, und jetzt glaubst du wohl, in den USA gibt’s keine guten Gruppen? Dass du so dämlich bist, kann ich mir gut vorstellen.

Public Image hören, was? Und heimlich Peter Maffay und Richard Klayderschrank.

Du Wichtigtuer – sei froh, dass ich mich überhaupt dazu herablasse, ausgerechnet DIR von den besten Bands aller Zeiten zu berichten!

Das ist doch eh alles nur Perlen vor die Säue geworfen! Was regst du dich auf – ist doch nur ein Sprichwort! Du fühlst dich wohl angesprochen, du Sau!

Aber in zehn Jahren sprechen wir uns wieder.

Da werdet ihr dann den gesamten Dangerhouse-Katalog sammeln und mir erzählen, dass ihr immer schon „Damage“ gelesen habt.

Aber ich werde wissen, dass es gelogen ist. Genau wie fast alle lügen, die heute so von den Velvet Underground schwärmen.

Übrigens lügen die Leute auch in Bezug auf die Sex Pistols.

Die haben so einen konsequenten Sound, dass es einfach nicht glaubwürdig ist, wenn jeder Arsch versichert, die seine das Größte. Zu viele Leute sagen das. Ich glaub‘ es einfach nicht mehr.

Tatsächlich gibt es jede Menge gute Gruppen in den USA.

Keine Frage allerdings, auch in Amerika sind die besten Tage des Punks gezählt.

In San Francisco, zum Beispiel, haben sich viele Bands der ersten Stunde aufgelöst, und die alten Zentren haben dichtgemacht.

Gerade als ich ankam, wurde der zu diesem Zeitpunk bedeutendste Klub geschlossen: The Temple beautiful, wie er im Volksmund hieß.

Mabuhay Gardens

Auch der wichtigste Klub für die Entwicklung der lokale Szene (vergleichbar mit dem Londoner Roxy), der Mabuhay Gardens (niemand nennt in „Fab Mab“, er heißt schlicht Mab), ist nicht mehr, was er mal war.

Samstags wird er sogar manchmal zu einem Aufreiss-Schuppen. Nichts wie hin!?

Die Punks sind untergetaucht und kommen nur noch aus der Erde gekrochen, wenn wirklich bedeutsame Bands spielen:

NO ALTERNATVE,

FLIPPER,

THE SCREAMERS oder ähnliche Kamikaze-Acts.

In seinen besten Zeiten hatte der Mab kein Quer-Beet-Publikum, sondern nur trendy zurechtgemachte Punks.

Das war damals, als es noch die Avengers gab.

Über dem Eingang hängt ein Schild folgenden Inhalts: „Wer hier durchgeht, muss damit rechnen, dass es bös gefährlich wird. Also schleich dich besser …“

Einer der humorigen Einfälle von Mr. Dirk Dirksen.

Er begrüßt das Publikum mit den immer gleichen Worten: „Welcome to the almost legendary Mabuhay Gardens. Tonight we feature …”.

In den Pausen zieht er über die Punks her, auch über die echten: „Ihr Trendies, ihr blöden Touristen“.

Dirksen war immer umstritten, weil es halt viele humorlose Menschen gibt.

Siehst du, auch du findest dich hier erwähnt.

Unmittelbar nach den drei Auftritten pro Abend (sieben Tage die Woche!) geht er ans Mikro und sagt: „That’s it for tonight. Now – get out!“

Dann läuft er mit der Trillerpfeife rum.

Außen am Mab hängt ein Schild: „Beste philippinische Küche“. Natürlich gibt’s gar nichts zu essen dort.

The Deaf Club

Geschlossen ist auch der legendäre „Club of  the Deaf“, der ganz offensichtlich den Höhepunkt der San-Francisco-Musik-Szene darstellte.

Dort spielten die Bands ab und zu vor tauben Kindern. Macht doch eh keinen Unterschied!

Nachdem, was man mir erzählt hat, muss der Deaf Club so ähnlich ausgesehen haben wie das S0 36. Gott sei Dank war er aber nicht so arty-farty wie dieser.

Hoffentlich kommt jetzt endlich diese tausendmal verschobene Live-LP raus.

Schätze, die wird gut.

Von den großen SF-Bands haben sich aufgelöst oder haben entscheidende personelle Wandlungen durchgemacht:

THE AVENGERS,

THE NUNS,

THE SLEEPERS,

THE DILS und

NEGATIVE TREND.

(Hand hoch: wer kennt alle?).

Erfreulich ist, dass sich diese Gruppen eben nicht in Richtung New Wave „weiterentwickelt“ und damit angepasst haben.

Noch erfreulicher ist, dass genauso gute Gruppen nachgewachsen sind.

Und überhaupt, die beiden bedeutendsten amerikanischen Bands gibt’s sowieso noch. Was heißt hier noch? Die sind wahrscheinlich besser denn je!

In Los Angeles sind die Zeiten von The Masque zwar auch vorbei, aber wildere Musik als man sie heute im Fleetwood in Redondo Beach hören kann, hat es nie gegeben – nirgendwo auf der Welt.

Dort gibt es übrigens auch eine hübsche Notiz an der Kasse: „Neat outfit is mandatory“ oder so ähnlich.

Mit anderen Worten, es kommt keiner rein, der ein weißes T-Shirt oder Bermudashorts trägt! Verstehst du die Ironie, du halbe Portion? Ich bezweifle es.

In San Francisco sind die Auftrittsmöglichkeiten sehr viel besser, es gibt auch mehr Bands.

Eigentlich gibt es erstaunlich viele Klubs, in denen Punkbands spielen:

Back Door, Mission Rock Resort, UC in Berkeley, Berkeley Square, Old Waldorf, Savoy Tivoli, Tha Palims, A-hole, Mabuhay Gardens, Club Foot, Folsom Studios, Roosevelts, Ye Rose and Thistle etc.

Die meisten sind allerdings gemischt – und damit auch das Publikum.

In Los Angeles gibt es sehr wenige für Konzerte lizenzierte Orte. Und häufig werden Klubs nach kurzer Zeit von den Behörden dicht gemacht. Außerdem erhalten viele Bands Auftrittsverbote.

THE GERMS, zum Beispiel, sind in echter Sex-Pistols-Tradition praktisch nicht mehr aktiv, weil sie nur noch dreimal im Jahr spielen können!

Amerika ist wirklich aufregend – und ich bin wahrlich der Letzte, der den Amis wohlgesonnen wäre.

Gute Gruppen, die mir einfallen: Gears, Geza X & His Mommymen, Vs., Plugz, Witnesses, Alley Cats, Rubber City Rebels, Mutants, Contractions, Weirdos, Vktms.

Alle nicht gerade sensationell, aber solide, es lohnt sich, sie anzusehen.

Die VKTMS haben bisher drei Lieder veröffentlicht und

spielen Hau-Ruck-Punk.

Bei den GEARS spielt einer von den

CONTROLLERS mit.Die haben sich übrigens auch vor kurzem aufgelöst.

Aber so extrem gut wie erwartet sind die Gears halt nicht.

Als ich ihr erstes Lied hörte, dachte ich: Meine Fresse, das ist die Gruppe!

Dieser eine Song war genauso gut wie die Lieder von BLACK FLAG!

Black Flag? Wer ist denn das schon wieder?

Damit das ganz klar ist: die Bands, von denen ich jetzt rede, sind alle besser als die derzeitigen Punk-Nachfolger aus England (Ruts, Cockney Rejects, und ähnliches).

Und wartet erst Mal ab, bis ich zu den wirklich guten Gruppen vorstoße!

Vs. sind heute eine Frauenband. Sie bezeichnen ihre Musik als Bondage Rock – und die Gitarristin war auch schwer zurechtgemacht.

Schickeria Punk würde ich es nennen.

Die Chefin ist verheerend groß. Sie spielte mal mit dem Gedanken, eine Frauenband zu starten, bei der alle über 1,85 Meter groß sein sollten.

Total krank im Kopp.

Sie ist von David Johanson beeinflusst und auch genauso Publicity süchtig.

THE PLUGZ: Veteranen der Szene.

Ihre hochgejubelte LP war eine Enttäuschung für mich, genau wie ihr Konzert: Sie waren „nur“ gut.

Aber ihre Version von „La Bamba“ war so schnell, dass sich die Dickies wie lahme Opas anhören.

Kein Witz! Es war so schnell, dass man Text und Melodie nicht erkannte!

Jetzt kommst du dir wohl sehr schlau vor? Der Sänger hat das Lied natürlich vorher angesagt, du Nase!

Die ALLEY CATS mit ihrer attraktiven Bassistin Dianne Chai.

Die Post geht ganz gut ab, aber manchmal spielt Randy Stodola Heavy-Metal-Solis! Aber halt in Grenzen.

Zudem sieht er aus wie ein Rockabilly-Witzbold.

Ihr mit Abstand bestes Lied ist „Give Me A Little Pain“.

Die RUBBER CITY REBELS waren punkiger als ich mir sie vorgestellt hatte. Echt gute Power.

Ich weiß ja nicht, wie es bei solchen Gelegenheiten heute in England zugeht, aber hier wird noch richtig Pogo getanzt.

Allerdings nicht diesen Kollektiv-Pogo, sondern jeder versucht, den nächsten umzurennen.

Mitunter geht es echt uncool zu, aber davon später mehr…

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