US-Punk (Part 1, Teil 3)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

Die überraschend guten YOUNG WEASELS hab‘ ich in Colorado gesehen, wo es schon 1976 Punk und Prä-Punk gab!

Der Sänger ist schwer von David Johanson beeinflusst, und die Musiker haben alle eine Menge drauf.

Man kann sie nicht auf einen Stil festlegen. Früher hat Sänger Steve Hardcore Punk gespielt, das wurde ihm aber zu langweilig.

Na gut, Steve …

Die Young Weazels haben den absolut coolsten Bassisten, den ich je gesehen habe:

Er macht nichts …

Die CONTRACTIONS sind eine Fauen-Punkband, und äußerst populär in San Francisco.

Die Managerin fragte mich, was ich von der Gruppe halte.

Ich sagt ihr (ich kann nämlich englisch!), sie seien ganz gut, aber echt begeistert war ich nicht.

Da war sie beleidigt!

Bei den bekloppten Amis ist es offenbar nicht üblich, seine wahre Meinung zu sagen.

Keep smiling? Na, da waren sie bei mir aber an der richtigen Adresse.

Die MUTANTS sind neben den Dead Kennedys die populärste Band in San Francisco.

Falls es immer noch nicht klar ist: Ich rede selbstverständlich grundsätzlich nur von Punk. Habt ihr etwas Anderes von mir erwartet? Was Anderes kenn‘ ich überhaupt nicht!

Also glaubt bloß nicht, ihr würdet hier irgendetwas über Debris, Chrome oder die Residents finden.

Bevor ich die Mutants live sah, hatte ich schon einige Videobänder gesehen, da waren sie viel härter.

Live klangen sie ziemlich emotional, fast weinerlich, aber auch mit Power im Hintergrund.

Ein Sänger und zwei Sängerinnen, die rum jammern … Die eine, Sally, ist eine fette Wachtel. Sie tritt in einem verspielten Hochzeitskleidchen auf, komplett mit Haube und Schleier.

Total abartig.

Eine merkwürdige Band: Sieben Leute, die echt chaotischen Schrott spielen.

Ihre EP repräsentiert ihren Sound in keiner Weise.

Das kann man auch von den WEIRDOS sagen.

Bisher habe ich ja im Wesentlichen von halbwegs unbekannten Gruppen gesprochen.

Aber jetzt sind die Weirdos dran: Stars in LA. Die sollte man schon kennen, zumal ihre sogenannte Mini-LP auch hier zu bekommen ist.

weirdoslpcover

Weirdos, Who? What? When? Where? Why?, Bomp, 1979

Finger weg! Das Album ist der letzte Dreck.

Deshalb gab es auch eine Hurra-Kritik in der Sounds.

Millionenfach besser sind ihre vorher veröffentlichten Singles.

Falls einer von euch Jünglingen die zweite Single kennt: Etwa so hören sich die Weirdos live an, bloß haben sie da weniger Power.

Und Power hatten sie auch früher nicht, als sie noch die Könige von LA waren.

In bin in die USA geflogen mit der Erwartung, dass die frühen Weirdos das absolut Größte sind.

Jetzt habe ich aber Videofilme von 77 und 78 gesehen und kann sagen, dass man die Weirdos ad acta legen kann:

Sie sind schon gut, aber es fehlt die frenetische Begeisterung, es fehlt der schrille Sound der ersten Single. Den hatten sie live nie drauf.

Vorhang zu für die Weirdos!

Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr irgendebbes von den letzten Sätzen gerafft habt?!

Ihr Traumtänzer!

Und jetzt’s kommt’s!

Jetzt kommen Gruppen, die so gut sind wie die besten europäischen Bands, die noch übrig geblieben sind.

Verflucht, wer ist das eigentlich? Doctor Mix & The Remix, Crass, die Coroners live …

Das gibt’s doch nicht: Mir fällt nicht mehr ein!

Oh ja, du kleiner Wicht. An die Specials hab‘ ich auch gedacht.

Tatsächlich, wer ist übrig geblieben? Wer ist nach gerückt?

In den USA sind dies unter anderen: Baby Buddah, Dead Kennedys, Bob, The Ugly, The Chiefs, The Screwz, Vicious Circle, No Alternative, Young Weasels, Urinals.

THE URINALS waren Vorgruppe von Wall Of Voodoo. Sie spielen aber Hardcore Punk. Von ihnen gibt es schon drei Singles, die alle stark sind.

Die Urinals kündigten sich mit den Worten an: „We’re the Cretones!“ (Diese Gruppe gibt es wirklich in LA). Ich hab’s auf Tonband! Das Ganze war ein ziemlich undifferenziertes Rumgeholze.

Punk ist eben Unterhaltungsschrott und nicht mehr.

Mehr wäre weniger.

BOB aus San Francisco, stehen in der Tradition der Contortions, haben aber viel mehr Power.

Wenn ich etwas hasse, dann ist es dieses dünne, nostalgische Jazz-Gedudel der Contortions beziehungsweise der meisten New-Yorker-Insidergruppen.

Natürlich hält auch das Kulturblatt Sounds die Jazz/Funk-Fusion für das Ereignis des 20. Jahrhunderts.

Irgendwann wird es die Cool-Jazz-Reggae-Funk-Disco-Ska-Big-Band-Synthese geben, und es wird sicherlich als das Neuste vom Neuen gelten!

Diese ganze Niggermusik sollte man verbieten…

Bob sind echt gut. Sie haben ein paar sensationelle Songs drauf. Das Beste war ein Chuck-Berry-Stück, dem jeder, aber auch jeder 50er-Jahre-Stil ausgetrieben worden war.
Leider kommt der Titel nicht als Single raus, sondern zwei gewöhnlichere Stücke.

Mal sehen!

BABY BUDDAH passen in dasselbe Muster. Sie sind brandneu!

Ich habe ihren zweiten und dritten Auftritt gesehen!

Wenn die in New York wären, würden sie James Chance von der Bühne fegen. Die Musik ist wie eine Powerversion der Contortions, aber ohne größere Jazz-Anleihen.

Die kleine, dralle Sängerin wirkte wie eine erträgliche Version von Lydia Lunch, und schrie auch tierisch rum.

Von Baby Buddah erwartet ich einiges.

Ein Höllenlärm!

Bei einem Konzert sah ich drei Superbands hintereinander:

The Chiefs, The Screwz, Vicious Circle.

Alle mit einer unglaublichen Power, einem schrillen Sound.

Alle drei LA-Gruppen, von denen wohl nie etwas auf Platten rauskommen wird.

Der absolute Wahnsinn!

Dass so viele sensationelle Knaller da rumhüpfen würden, hätte ich mich nicht träumen lassen.

Da kommt man hin und dann hört man drei bis vier Stunden Power, dass einem der Kopf wackelt.

Besser als jede beliebige europäische Band.

Eine Band klang wie die andere, ohne einen Funken Originalität.

Völlig stupide Holzhacker-Musik.

Das bringt’s.

Die Kultur ist am Arsch und da kann sie auch bleiben.

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