US Punk (Part 1, Teil 4)

Von Volker H. (Same Old Song, Nr. 28, August 1980)

There’s No Alternative!

NO ALTERNATIVE ist die anspruchsloseste von allen SF-Gruppen.

Das ist natürlich die echte Empfehlung!

1, 2, 3, 4 – einfach drauflos gefetzt.

Drei Mann, die einen üblen Krach machen.

Die haben in ihrem ganzen Programm nur ein Lied, das man als melodisch bezeichnen kann. Oder sagen wir mal, wo überhaupt irgendeine Melodie drin ist!

Und ausgerechnet dieses Stück war auf ihrer Single!

Das mit Abstand schwächste Lied überhaupt!

Der berüchtigte Johnny Genocide, Sänger und Lead-Gitarrist von No Alternative, ist ein lächerlicher Sid-Vicious-Imitator, der genau wie dieser das erklärte Lebensziel hat, mit 25 Jahren tot zu sein.

Als ich ihm vorgestellt wurde, sagt er freundlich lächelnd zu mir: „Hi, Volker!“

Einfach so.

Wenn ich mir allerdings vorstelle, DU wärst ihm vorgestellt worden, weiß ich nicht, was er gesagt hätte.

Vielleicht: „Vergiß es!“ Oder: „Schmeißt den Komiker raus!“

Johnny Genocide ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten von San Francisco.

Er ist nämlich keineswegs so debil, wie seine Musik vermuten lässt.

Bei euch ist es allerdings eher umgekehrt.

Die wichtigste Persönlichkeit der San-Francisco-Szene ist natürlich JELLO BIAFRA (Eric Boucher).

Er ist der Sänger der DEAD KENNEDYS.

Aufgrund des Namens und der von Fast Records übernommenen Single müssten ein paar von euch die Band kennen.

Live sind die DK besser als auf ihrer Single.

Sie sind sehr trashig, nicht so „clean“ wie auf Platte. Der Gitarrist ist absolut sensationell.

Im Mab sind die DK sowas wie die Hausband und entsprechend beliebt.

Jello Biafra ® ist der mit Abstand wildeste Performer, den ich in den USA sah.

Er wirft sich während einer Show circa zehnmal mit voller Wucht ins Publikum, manchmal mit Mikrofon, singt dort weiter oder prügelt sich.

Oder schimpft zwischen zwei Liedern auf Trendies mit Sonnenbrille.

Woraufhin die natürlich wild werden.

Da ist dann die Hölle los!

Und schwupp – Jello Biafra ® landet wieder auf der Bühne.

Die ist 20 cm hoch …

Jello Biafra ® ist befreundet mit Lydia Lunch und von den beiden gibt’s die Geschichte, dass er mit ihr mal im Badezimmer … und da sie offenbar gerade ihre Periode hatte ….

Themenwechsel!

Ich will eure kindlichen Gemüter nicht über Gebühr strapazieren.

Jello Biafra ® hat auch mal an der Wahl zum Oberbürgermeister von San Francisco teilgenommen – als Kandidat!

Er bekam circa drei Prozent der Stimmen (6.500) und war damit vierter von zehn Bewerbern.

Sein Kommentar: Wenn seine Wähler alle auf einmal zu einem Auftritt kämen, gäbe das ein Wahnsinnskonzert.

Jello Biafra ® ist ein äußerst freundlicher Kerl, privat überhaupt kein Punk, aber er steht 100%ig auf diese Musik.

Er ist auch ein fanatischer Plattensammler, und der einzige Mensch, den ich je getroffen habe, der sich im Punk besser auskennt als ich selber! [1]

vv3biafra

Vomit Visions, Sell Out EP, Waste 45, 1982, additional art by Jello Biafra, Wasted Vinyl Collection

(Eingebildet bin ich nämlich überhaupt nicht!).

Jello mag sogar Half Japanese.

Als ich ihm erzählte, dass es eine sehr gute LP von der holländischen Gruppe Ivy Green gibt, ist er fast durchgedreht:

„Her damit, die muss ich haben. Kannst du die mir besorgen“ usw.

Der Höhepunkt war aber, als wir ins Chinatown essen gingen.

Diese Kerle sind so arm, dass sie wegen 20-Cent-Preisunterschied das Lokal wechseln!

Und dabei sind die DK’s die einzige SF-Gruppe, die – seit neuestem – von der Musik leben kann!

Von „California Über Alles“ haben sie rund 20.000 Singles verkauft.

Gerade läuft im Fernsehen ein Bericht über Hamburger Punker und Popper!

Köstlich …

Schätze, es wird Zeit, dass die Titanic diese Popper in die Peinlichkeitshitparade aufnimmt, genau wie schon mal die Rollstuhlfahrer.

Ist dir klar, dass es keine Popper geben würde, wenn nicht gewisse Hamburger Schickeria-Kröten darüber berichten würden?

Genau wie Däniken …

Was das mit Punk zu tun hat?

Überhaupt nichts

Andererseits: Was hast du denn mit Punk zu tun?

Adios – bis zum nächsten Mal.

Vergessen sie nicht, ihre Antenne zu erden!

Einfach den Kopf in den Sand stecken …

[1] Jello Biafra über die „Punks Are The Old Farts Of Today“ EP: „I heard it once and never again!“

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