Chris Spedding & die Sex Pistols

Die Wombles (mit Chris Spedding an der Gitarre) waren die erste Band, von der ich mir ein Box Set leistete (drei Langspielplatten für 80 oder 90 Pence, im Sommer 1975 bei Swan & Edgar am Piccadilly Circus).

Als ich Chris Spedding drei Jahre später auf der Party zum Abschluss der Be Stiff Route 78 Tour kennenlernte, hab‘ ich mich leider nicht getraut, ihn auf seine Zeit im Pelzkostüm anzusprechen.

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Chris Spedding & Steve Jones, London, Lyceum, 19./20. November 1978 © Dieter K

Am Thema Sex Pistols führte aber – nicht nur wegen seines Begleiters – kein Weg vorbei: Während Steve Jones heftig den Kopf schüttelte, stimmte Chris meiner Einschätzung zu, dass die Demos der Sex Pistols (nicht nur die drei von ihm produzierten Songs, sondern auch die Aufnahmen mit Dave Goodman)  viel besser sind, als die Chris-Thomas-Produktionen.

Trotzdem war die Entscheidung für Thomas richtig [1]: Im von dem routinierten Rockproduzenten mit Hilfe vieler Effektgeräte erzeugten Gitarren-Lärm (so unglaublich es klingt (pun intended): damals wurde das, was sich heute wie durchschnittlicher Hard Rock anhört, als Krach empfunden), geht nämlich völlig unter, dass die Herren Cook, Matlock & Jones begabte Musiker waren.

Wenn Matlocks Bassläufe und die professionelle Gitarrenarbeit von Steve Jones auf den offiziell veröffentlichten Schallplatten genauso im Vordergrund gestanden hätten, wie auf den Demos, hätte Malcolm Mclaren keine Chance gehabt, die Sex Pistols als Anti-Musiker (und so weiter und so fort)  zu vermarkten.

Wie wäre die Geschichte des britischen Punks verlaufen, wenn ein Womble die Schallplatten der Sex Pistols produziert und Mickie Most diese im Sommer 1976 auf seinem Label RAK (Hot Chocolate, Mud, Suzi Quatro, Smokie) veröffentlicht hätte?

Die Sex Pistols am 15. Mai 1976, produziert von Chris Spedding.

Den Punksound hatten Chris Spedding und Mickie Most schon 1975 drauf.

Monate bevor EMI die Sex Pistols unter Vertrag nahm, veröffentlichte RAK die erste (?) Punk-Novelty-Single.

[1] Weniger erfolgreich war die Arbeit von Chris Thomas für Chris Spedding: Hurt (1977) ist viel schlechter als das von Mickie Most produzierte Album Chris Spedding (1976). (Was aber vor allem auch an den Songs liegt).

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