Augenblicke, die ich nie vergesse

Von Volker H (Same Old Song, Nr. 32, Dezember 1980)

Keine Ahnung, was ihr von Sendungen wie

Am laufenden Band oder

Die ZDF-Hitparade haltet.

Ich nehme an, solchen Mist schaut ihr Heinis euch gar nicht erst an?

Auch die morgendliche BLIND-Zeitung findet ihr überhaupt nicht komisch?

Egal: Für mich ist sowas das Größte!

Es geht nämlich nichts über echten Dreck.

Nichts ist faszinierender als wirklicher Schwachsinn, abgrundtiefer Kretinismus und grenzenlos dumme Geschmacklosigkeit.

Deshalb gibt es für mich nichts lustigeres als

die Mainzelmännchen oder einen

Edgar-Wallace-Streifen mit Klaus Kinski anzusehen.

Ich meine das ganz im Ernst.

Was ist denn schon ein gelungener Stanley-Kubrik-Film wie

Dr. Strangelove gegen einen von diesen gnadenlos schlechten

Karl-May-Schinken?

Wenn Eddi Arent mit zittriger Flosse im Wilden Westen auf Schmetterlingsjagd geht, wenn der Förster im Silberwald mit

Kaiserin Sissy zusammen in die ewigen Jagdgründe eingeht?

Wenn vorne auf den billigen Plätzen die hysterischen Sechsjährigen kreischen:

Winnetou! Winnetou!“?

Was gibt es Schöneres, als samstags abends im Kino zu sitzen und dann im Hintergrund das enttäuschte Gezischel zu hören:

„Oooch, das ist ja nur ein schwarz-weiß Film!“?

Das sind Situationen, die ich um nichts in der Welt missen möchte.

Dabei finde ich nicht nur die hoffnungslos infantilen Konsumenten amüsant, noch viel interessanter dürften die Hersteller selber sein.

Wer ist kränker im Kopf: Der TV-Glotzer, der sich

Dalli Dalli mit schenkelklopfender Begeisterung ansieht, oder Hänschen Rosenthal selber, wenn er vor kalkulierter Begeisterung in die Luft springt:

„Das Publikum ist der Meinung: Das war spitze!“

Und wenn er damit durchkommt!

Leute, die so etwas produzieren, können nicht ganz dicht sein.

Niemand kann sich mehr rausreden, er stände drüber. Macher und Gemachte werden eins.

Schlagartig wird einem klar, was hinter der aufdringlichen Glückseligkeit der Werbespots hervorlacht:

Die verzerrte Fresse des Wahnsinns, halb-irre Produzenten, die genauso krank sind wie ihr sabberndes Publikum.

Doch nicht nur im Kino und im TV gibt es derlei Erlebnisse in Hülle und Fülle. Auch in der sogenannten „Musik“ gibt es Augenblicke, in denen der ganze Irrsinn unserer Zeit zu Vorschein kommt.

Wer Ohren hat zu hören, der höre:

Wenn Heinz Schenk ins Mikrofon lispelt:

„Es ist alles nur geliehen“, kommt das einem Weltuntergang gleich.

Denn: Was kann mir noch passieren, wenn ich dieses Lied überstanden habe?

Wem würden nicht Tränen kommen bei Heulern wie

„Der lachende Vagabund“ oder

„Copacabana“?

Wer hat je geglaubt, dass ein Song wie

„Kommando Pimperle“ überhaupt möglich ist?

Man muss sich direkt schämen, dass man gewissermaßen zur selben Gattung „Mensch“ gehört, wie die Schmierfinken, die Gassenhauer wie

„Candy Man“ oder

„Alison“ verbrochen haben.

Wozu brauchen wir noch die Neutronenbome, wir haben doch

Marianne Rosenberg und

das Grinsen von Ricky King!

Hurra, wir verblöden!

Das ganze Universum ist völlig wahnsinnig!

Kikeriki!

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