The Road to Reggae: Babylon by Bus

Von Volker H (Same Old Song, Nr. 31, Dezember 1980)

Die Hippies kommen aus Kalifornien und hatten ihren Höhepunkt Mitte bis Ende der 1960er Jahre?

Falsch!

Die hippiehafsten Hippies, die es je gab, leben heute, und zwar in Jamaika und London.

Sie nennen sich „Rastas“.

Rastafarians tragen lange geflochtene Zöpfe, rauchen auf Deibel komm‘ raus Shit und stinken wie die Pest, weil sie sich obendrein nur zweimal im Jahr waschen.

Rastas sind schwer religiös und beten mehrmals täglich zu ihrem Obermacker, den sie „Jah“ nenen.

Ersatzweise beten sie dessen irdischen Statthalter an: Haile Selassie, früherer Kaiser von Äthiopien.

Ich nehme an, das letzte haltet ihr für ein bisschen weit hergeholt.

Aber es stimmt wirklich:

Für die Rastas ist Haile Selassie Gottes Sohn!

Das musst du dir mal vorstellen!

Wo leben wir den?

Rastas sind auch üble Faschisten. Sie predigen die Überlegenheit der schwarzen (ausgerechnet!) Rasse und Frauen sind für sie der letzte Dreck.

Während ihrer Periode gelten Frauen als „krank“ oder „unrein“, jedenfalls dürfen sie während dieser Zeit nicht mal das Essen für die Männer machen.

Finsterstes Mittelalter!

Was ich hier niederschreibe stimmt alles tatsächlich und ist keineswegs erfunden oder so!

Aber es kommt noch schlimmer.

Wie allgemein bekannt, haben die Rastas eine rituelle Stammesmusik kreiert: den Reggae.

Im Grunde genommen sind mir die Texte und die politischen oder sozialen Begleitumstände bei Musik ja herzlich egal.

Erstens versteh‘ ich kein Wort und zweitens interessiert mich letztlich nur die Musik.

Beim Punk, zum Beispiel, kann man den ganzen ideologischen Ballast sehr gut rechts liegen lassen.

Aber bei Reggae?

Also, da hab‘ ich meine Zweifel.

Aber ich nehme an, das könnte man mehr oder weniger doch alles verdrängen.

All diesen religiösen Mist und die ganze rassistische Ideologie der Rastas würde ich mir zur Not gefallen lassen, beziehungsweise, ich würde sie ignorieren.

Aber Reggae ist wirklich viel schlimmer als alle reaktionäre Propaganda:

Reggae ist grauenhaft schlechte Musik.

Reggae bringt mich zur Weißglut.

Für mich ist Reggae die abartigste Musik, die sich je ein Menschenhirn ausgedacht hat.

Andere Leute haben da natürlich ganz andere Vorstellungen und kommen damit argumentativ ganz schnell in Teufels Küche.

Denn wie soll man Reggae verteidigen?

Ich meine, es gibt doch zwei Möglichkeiten, Musik zu betrachten:

Erstens: Mich interessiert nur die Musik (nach dem Motto: ist ja doch nur banale Unterhaltung, alles andere ist mir scheißegal). Wegen mir auch: Da kann ich gut zu tanzen oder so, obwohl ich Leute, deren Lebensinhalt das Tanzen ist, wahrscheinlich noch mehr hasse als Rastas.

Zweitens: Man interessiert sich für Musik im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang (der ja tatsächlich existiert!). Dann bleibt einem aber auch nix anderes übrig, als mit der Musik den ganzen Rasta-Humbug zu verteidigen.

Und dann wird es peinlich…

Denn wer läuft schon in Mitteleuropa mit Dreadlocks rum?

Was soll ein weißer Mittelstandsbürger mit asozialen Karibikflüchtlingen zu tun haben?

Wer würde hierzulande Haile Selassie anbeten?

Jeder Versuch, hier eine gemeinsame politische Basis zu finden, ist doch a priori zum Scheitern verurteilt.

Zum Beispiel wurde gesagt, beide „Kulturen“, Punk und Reggae, würden vom sogenannten Establishment (ein fürchterlich verschwommener Begriff) unterdrückt.

Rock against Racism!

Da kann ich doch nur lachen!

Denn die Rastas sind schließlich genauso schlimme Rassisten wie die Nazis!

Dass man dieses Pack unterdrück, finde ich genau richtig.

Verboten gehört dieser ganze Mist!

Man muss sich nur mal vorstellen, die Rastas würden die Welt beherrschen.

Dagegen ist der US-Imperialismus von heute ein Honigschlecken!

Den ganzen Tag Reggae…

Wie gesagt, all das wäre mir egal, wenn Reggae als Musik nicht so schlecht wäre.

Ich finde Reggae wirklich schlimmer als Jazz, Country oder Blasmusik.

Reggae muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden!

Und zum Abschluss sei noch folgendes gesagt:

Ich finde es sehr verdächtig, wenn hier jemand erzählt, wie toll er Reggae findet.

Wie soll man solch eine Geschmacksverirrung überhaupt erklären?

Modeerscheinung?

Ein tieferer Zusammenhang zwischen Hippie- und Punk-„Kultur“?

Oder wie oder was?

Auch in diesem Fanzine schleichen sich mitunter gewisse Tendenzen ein, die ich gar nicht goutiere.

Wenn ihr Milchbubis in Zukunft etwas über Reggae in dieser Zeitung findet:

SCHNELL WEITERBLÄTTERN!

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