Spandau Ballet: Fünf Freunde sollt ihr sein

Interview mit Spandau Ballet: Frankfurt, Hotel Intercontinental, Dienstag, 22. Januar 1985 [1]

DK: Erinnert ihr euch noch an die TV-Aufzeichnung in Neuwied (25. September 1984)? Rock Pop Music Hall für das ZDF?

[Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel am schönen Rhein mit den Labelkollegen von Ultravox hatten sich Spandau Ballet so besoffen, dass sie später beim Playback-Auftritt (für ihre Verhältnisse) wild über die Bühne wirbelten und am Schluss die geliehenen Instrumente zertrümmerten (Sachschaden circa 17.000 DM)].

Martin Kemp: Klar. Das war sehr lustig. So was passiert uns nicht jeden Tag.

John Keeble: Unsere eigenen Instrumente behandeln wir natürlich  nicht so. Ich weiß nicht, was eigentlich los war. Das war nicht geplant. Ist einfach so passiert.

 

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Only When You Leave / Paint Me Down (Live), Pic Disc / Shape Disc, Single, Chrysalis (UK), spanp 3, 1984, Signed, Wasted Vinyl Collection

DK: Ihr spielt jetzt seit sechs Jahen zusammen. Hat sich in der Zeit das Verhältnis innerhalb der Band verändert?

Martin Kemp: Wir waren schon miteinander befreundet, bevor wir die Band gründeten. Auch heute sind wir noch miteinander befreundet.

John Keeble: Wir haben alles gemeinsam erlebt: Vom ersten „öffentlichen“ Auftritt in unserem Übungsraum in Islington, bis zu sechs ausverkauften Konzerten in der Wembley Arena. Wir haben uns bisher immer vertragen, und ich sehe keinen Grund, warum sich das in den nächsten zehn Jahren ändern sollte.

DK: Eure Karriere war von Anfang an gut geplant. Warum habt ihr eine eigene Plattenfirma, Reformation, gegründet?

John Keeble: Ganz einfach. Wir haben die Bücher über die 60er und 70er Jahre gelesen. Wir wissen, wie dieses Geschäft funktioniert. Wir kenne alle Tricks, mit denen die Künstler um ihren verdienten Lohn gebracht werden. Uns kann kein cleverer Manager übers Ohr hauen.

Martin Kemp: Wir haben alles unter Kontrolle. In England machen wir alles selber: Produktion, Promotion. Wir buchen die Konzerte usw. Chrysalis hat nichts weiter zu tun, als die Platten zu pressen und zu vertreiben.

John Keeble: Unser Manager [Steve Dagger] ist nur ein Jahr älter als ich. Er ist praktisch das sechste Mitglied der Band. Ihm vertrauen wir.

DK: Gibt es wirklich keinen Streit um die Verteilung der Einnahmen? Gary verdient als Songwriter doch sehr viel mehr als ihr anderen?

Martin Kemp: Wir streiten nicht, obwohl wir Brüder sind.

John Keeble: Wir sind sehr zufrieden mit der Rollenverteilung. Jeder weiß, was er kann, und was seine Aufgabe innerhalb der Band ist. Finanziell haben wir alles geregelt, da wird keiner benachteiligt.

Martin Kemp: Wir waren, sind und bleiben fünf Freunde.

Es dauerte dann noch ein paar Jahre, bis John, Tony Hadley und Steve Norman auf die Idee kamen, dass ihnen ein größerer Anteil an den – nach Karriereende – nicht mehr so sprudelnden Einnahmen zustehen könnte:

Am 27. Januar 1999, knapp zehn Jahre nach Auflösung der Band und 14 Jahre nach dem Interview, reichten die drei Klage gegen Gary Kemp ein, der als Songschreiber und Musikverleger [Reformation Publishing] (damals) noch immer hohe Einnahmen aus der Rechteverwertung (Tantiemen für Medieneinsätze und Tonträgerneuauflagen) hatte. [2]

Und da sie keinen schriftlichen Vertrag vorweisen konnten, war das Urteil keine Überraschung: Die Klage wurde abgewiesen – und die Berufung ein paar Monate später zurückgezogen.

Inzwischen vertragen die fünf sich wieder & und gehen gemeinsam auf Tour. [3]

Weniger gut war die Idee, die alten Songs neu aufzunehmen: Das Album „Once More“ (Mercury, 2009) kann man getrost vergessen.

 

[1] Dies ist der heute noch interessante Teil des Interviews: Die Passagen über die „World-Parade“-Tour („Der Unterschied zwischen Nürnberg [schlecht] und Frankfurt [sehr gut] ist größer als zwischen Tokio und London“), Groupies („Die deutschen Girls sind besonders wild“), Tony Hadleys Frau Leonie („eine blasse Blondine im schlichten Wollkleid“) und Martin Kemps (damals noch) heimlicher Freundin Shirley Hollis („Next question, please“) bleiben besser im Archiv.

[2] Garys Bruder Martin schloss sich der Klage nicht an.

[3] Oder auch nicht mehr:THStatement2017-07-03.jpg

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