Radiotipp: Der Letzte macht das Licht aus. Die Toten des Pop-Jahrgangs 2019

Alle Jahre wieder erinnert Karl Bruckmaier im Zündfunk von Bayern 2 an in den letzten zwölf Monaten verstorbene „Musiker, Popstars. Rumhänger, Taugenichtse.“

Live am 28.Dezember von 19.05 bis 21.00 Uhr (hier: https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1977620.html), danach als Podcast (hier: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/die-toten-des-pop-jahrgangs-100.html).

RIP Kim Shattuck 1963-2019

Gestern ist Kim Shattuck gestorben.

In den 1990er Jahren waren die Muffs aus Los Angeles eine der wenigen neuen Punkbands, die man hören konnte.

Am 27. Juni 1995 spielten die Muffs (und nicht Wilco, wie auf dem Ticket steht) als support act von Veruca Salt in der Batschkapp.

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Wasted Vinyl Collection

Zur Feier des Tages war der legendäre Charlie Chainsaw, Herausgeber von Chainsaw, Mastermind hinter Rancid Hell Spawn und Besitzer von Wrench Records aus London eingeflogen. Eric Hysteric & ich trafen ihn nachmittags bei WOM, oben im Horten auf der Zeil. Dann ging es runter in den Keller, in die Gourmet-Abteilung und Eric trank ein paar Bier …

Als wir schließlich in der Batschkapp ankamen, hatte das Konzert schon angefangen. Eric war sofort sauer wegen des schlechten Sounds: Er stürmte vor zur Bühne, schnappte sich ein Mikro und schimpfte über die miserable Abmischung.

Schnell kamen die Ordner und schmissen ihn raus. Aus Solidarität verbrachten Charlie & ich den Abend mit Eric im Elfer … [1]

 

[1] Das war das letzte Konzert, zu dem ich gemeinsam mit Eric gefahren bin (und eventuell das letzte Konzert überhaupt, bei dem wir beide waren).

RIP Barrie Masters 1956-2019

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Musikalisch hatten Eddie And The Hot Rods (abgesehen von der Power) nichts mit Punk gemein, trotzdem gehören sie (wie Dr. Feelgood) zu den Wegbereitern des britischen Punks:

  • Sie inspirierten Joe Strummer dazu, die 101ers zu verlassen.
  • Die Sex Pistols spielten ihr erstes Konzert in London (Marquee Club, 12/2/76) als support act von Eddie And The Hot Rods (und zerstörten deren PA).
  • Stiff Records druckte 1977 aus Versehen zu Werbezwecken ein Bild der Pub-Rocker (unter Vertrag bei Island Records, dem Vertriebspartner von Stiff) auf die Rückseite der ersten Auflage (5.000) des ersten Damned-Albums.

Ihren größten/einzigen Hits hatten sie im August 1977, als Eric Hysteric & ich sie zweimal in einer Woche sahen.

 

RIP Lorna Doom 1958-2019

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Laut Don Bolles ist Lorna Doom, die Bassistin der Germs, gestorben.

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Nachruf in der NYT.

Zur Erinnerung nochmal Hans Wurst über die Germs (Same Old Song, Nr. 30, September 1980):

(…) am letzten Tag meines Aufenthalts in Los Angeles wurde mir ein Live-Band von den Germs vorgespielt.

Sie sind unglaublicherweise noch besser!

Es ist nicht zu fassen!

Stilistisch machen sie genau das gleich wie die Mau Maus oder Black Flag.

Sie sind halt nur noch satter, noch powervoller, noch schneller!

Sie sind die schnellste Gruppe der Welt!

Die Germs sehen und dann das Ende.

Das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte gedacht, die Germs seinen fantastische Dilettanten, aber dass sie die beste Band aller Zeiten sind – besser als Crime oder Velvet Underground!!! – unglaublich!

So ein Dreck, dass ich sie verpasst habe.

Eine Woche nach meinem Abflug spielten sie wieder, nach drei Monaten Pause.

Sie haben den schrillsten Sound der Popmuski!

Sie sind die Erfüllung der Popmusk!

Sie sind die einzige Gruppe!

Sie haben die Power der Wasserstoffbombe!

Ich werde hysterisch!

Ich brauch‘ dringend eine Pause.

Meine Damen und Herren, bitte haben sie Verständnis für die kleine technische Panne.

Wir hoffen, dass es in wenigen Augenblicken weitergeht.

 

Ich bin wieder da.

Die Germs sind die endgültige Punk-Gruppe.

Sie waren nie besser als sie es heute sind.

Sie degradieren jede englische Band zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

Sie sind das, was die Sex Pistols nie waren: Chaos und Schrott und Power.

Sie degradieren auch ihre eigenen Plattenveröffentlichungen zur Bedeutungslosigkeit.

Auch die (sieben) Livestücke, die es von ihnen gibt, sind völlig anders.

„Sex Boy“ war ganz am Anfang (und wurde auch prompt aus dem Film „Up In Smoke“ rauszensiert).

„Shut Down“ ist die Abkühlnummer der Germs. Das spielen sie manchmal so lange, bis alle Fans den Saal verlassen haben. Oder sie spielen es, wenn sie zu stoned sind für alles andere.

Durch die Platten bekommt man ganz offensichtlich eine völlig falsche Vorstellung vom LA-Sound.

Völlig falsch wurde er auch von mir in einer früheren Nummer von „Same Old Song“ beschrieben, nämlich als „reativ dünn“ etc.

Peinlich, peinlich, solche inkompetenten Äußerungen.

RIP Mark E. Smith 1957-2018

Mark E. Smith war einer der ganz Großen.

Von den unzähligen Geschichten über/mit ihm fällt mir gerade nur die über den TV-Auftritt bei „Later … with Jools Holland“ ein.

Damals ließ sich Smith in den Vertrag schreiben, dass Jools Holland unter keinen Umständen in der Nähe von The Fall Boogie-Woogie-Piano spielen darf.

Nachruf von Karl Bruckmaier

Diverse Artikel von Simon Reynolds über The Fall & Links zu anderen wichtigen Texten

10 Outrageous Mark E. Smith Stories

Mark E. Smith (1957-2018) by Jon Wilde

RIP Chuck Berry 1926-2017

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If you tried to give rock and roll another name, you might call it ‚Chuck Berry‘.                                                                                                                                                                                       John Lennon

Why Chuck Berry Is Even Greater Than You Think

Chuck Berry’s Biggest Billboard Hits

The rock’n’roller who wrote the soundtrack to teen rebellion

Chuck Berry reviews Sex Pistols, Talking Heads, Clash and more (1980)