Toto Lotto, linke Frankfurter Hippies, die „dumpfe“ (bis „rechte“) Musik von Bands wie den Böhsen Onkelz und Der Durstige Mann & Herbert Egoldt

(Minimal bearbeitete) Anmerkungen zu einem Artikel von Martin F. (2006).

Es gibt übrigens die Theorie, dass Toto Lotto schuld daran sind, dass die „echten“ Frankfurter Punks dann solche stumpfen Gruppen wie Der Durstige Mann und Die Böhsen Onkelz hervorbrachten – in Abgrenzung zu den Frankfurter Hippies wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, die ihnen die intelligenteren Ausdrucksweisen von Punk weggenommen hatten.

Martin F., 18. August 2006

Diese „Theorie“ ist ziemlicher Quatsch!

  1. Gerade die linke Frankfurter Szene bot ja den „dumpfen“ Punks diverse Plattformen: In der Karl-Marx-Buchhandlung von Cohn-Bendit und Fischer wurden – lange bevor es Toto Lotto gab – Punkplatten und Fanzines (in Kommission) verkauft, in der Batschkapp fanden Punk-Konzerte statt.
  2. Punks legten nicht den geringsten Wert auf „intelligente Ausdrucksweisen“ oder „hohe instrumentale Virtuosität“. Für Jazz-Rocker, die auf New Wave („Wenn Punk eine Revolution war, dann war New Wave die Konter-Revolution“ Hans Wurst, 1978) machten, hatten „echte“ Punks nicht einmal Verachtung übrig.

Dieter K, 21. Juli 2007

Du übersiehst, dass Punk im wesentlich auf „dagegen sein“ basierte, eine „Zusammenarbeit“ mit Cohn-Bendit und Fischer wäre Verrat an Punk gewesen. Die gleichen Abgrenzungen gab es ja gegen Alfred Hilsberg in Hamburg wie du bei „Nein Nein Nein“ von den Buttocks schön hören kannst. Andererseits waren Punktexte nie „unintelligent“, sondern „direkt“ im Gegensatz zu „poetisch“ oder „verträumt“, bzw. „zynisch“ im Gegensatz zu „optimistisch“. Und Bands die ihre Instrumente beherrschten waren immer beliebter als Stümper wie die Vomit Visions und Durstiger Mann aus Frankfurt.

PS: Wer bitte ist Hans Wurst – und wo bitte ist bei dem New Wave-Monster-Hit „Heart of Glass“ von Blondie die „hohe instrumentale Virtuosität“?

Martin F., 27. Juli 2007

Hippies versus Punks:

Das war doch nicht viel mehr als Rhetorik, eine Vermarktungsstrategie.

Im Ernst hat doch schon damals kein Mensch (von den ganz hoffnungslosen Fällen einmal abgesehen) an den Gegensatz von Hippies und Punks geglaubt.

Alle Punkmusiker, die ich kenne, hatten und haben die Regale voll mit Pink-Floyd-Platten (und schlimmerem).

1978 hatten sich viele der frühen englischen Punks zu ihrer Hippie-Vergangenheit bekannt bzw. machten “Hippie-Musik” (Alternative TV, PIL).

Beim englischen Post-Punk ist der Hippie-Einfluss unüberhörbar.

Und Rough Trade war nichts anderes als eine Hippie-Genossenschaft.

John Lydon, Joe Strummer, Jello Biafra, Henry Rollins – alles Hippies.

Klaus Walter behauptet (zu Recht), dass die Hippies in Frankfurt “politischer und dadurch langlebiger als in anderen deutschen Großstädten waren” (WALTER 1993.34).

Richtig ist auch, dass Punk in Frankfurt von Anfang an von den durch Cohn-Bendit, Fischer & Co. (mit)errichteten subkulturellen Strukturen profitiert hat.

Vielleicht wurde auch versucht, die handvoll Punks, die es vor 1979 gab, politisch zu agitieren.

Das einige Punks, wie Stephan Weidner von den Böhsen Onkelz, dies als “subkulturellen Putsch” aufgefasst haben, mag sein.

Wahrscheinlicher ist, dass ihm dies viel später als post factum Rationalisierung für einige Texte der Böhsen Onkelz eingefallen ist.

Ich kenne keinen Frankfurter Punk, der die Zusammenarbeit mit den Alt-Hippies als “Verrat” beurteilt hat.

Falls darüber überhaupt gesprochen wurde, dann in dem Sinn, dass die Punks sich überlegen fühlten und die alten Hippies nicht ernst nahmen.

Ich kann mich jedenfalls nur daran erinnern, dass sich die Punks über die Leute in der Karl-Marx-Buchhandlung lustig machten, weil diese Ladendiebstahl (mehr oder weniger) tolerierten (jedenfalls niemals die Polizei riefen). [1]

Außerdem ist Walters Einschätzung, die (versuchte) Vereinnahmung von Punk als “linker” Musik sei ein spezifisch Frankfurter Phänomen (vgl. WALTER 1993.34f), vollkommen falsch. [2]

(Die Böhsen Onkelz waren ja auch nicht die einzigen Rechts-Rocker. Wenn ich mich nicht irre, war Rechts-Rock auch eine Modewelle, die als Oi! von England rüber schwappte).

Ende der 1970er Jahre hatte jeder drittklassige Soziologe – von NME- und (in Deutschland) Sounds- und (später) SPEX-Journalisten ganz zu schweigen – das politisch linke Widerstandpotenzial von Punk dechiffriert bzw. erfunden.

Hier kommt wieder Hilsberg ins Spiel, den Walter als positives Beispiel für “politisches Popbewußtsein” glorifiziert.

Dabei war gerade Hilsberg der alte Hippie, der bei der “Unterwanderung” des Punks in Deutschland am erfolgreichsten war.

Falls sich Frankfurter Punk gegen etwas gerichtet hat, dann genau gegen das von Hilsberg (und später von Diederichsen) verkörperte “Popbewußtsein”:

Gegen das von Musikjournalisten und anderen Möchtegern- bis Kleinkapitalisten verbreitete Märchen von der „linken Independent-Kultur”.

Der Verzicht auf die Gründung von langlebigen Bands und Labels, auf den Aufbau von “unabhängigen” Strukturen, war eine bewusste politische Entscheidung [3], eine radikale Absage an die Kulturindustrie, die sich durch die Integration von (vermeintlich) rebellischen Strömungen ständig erneuert.

(Mehr oder weniger) totale Verweigerung, im Sinne von Adornos Aphorismus:

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Das war das spezifisch „frankfurterische“ am deutschen Punk!

Übrigens waren Toto Lotto und sogar die diversen Limburger Bands um Tom Dokoupil bei den Frankfurter Punks beliebt.

Da gab es keine Berührungsängste mit Jazz-Rockern wie Wirtschaftswunder (live sensationell, auf Platte eher weniger, abgesehen vom “Kommissar”).

Aber so bedeutend, dass der “dumpfe” Punk als Reaktion darauf entstand, waren sie ganz sicher nicht.

Walters Behauptung, dass “keine einzige Frankfurter Band (…) seit 77 etwas Relevantes produziert [hat], bis zu den Onkelz” (WALTER 1993. 36), beruht auf seinem Geschmacks(vor)urteil gegen “dumpfen” Punk. [4]

Wie er ganz richtig schreibt, war die “Biertrinker-Dummkopf-No-Future-Attitüde” “carefully designt”.

Jedenfalls bei manchen Bands, zum Beispiel beim Durstigen Mann.

New Wave ist für mich kein Musikstil, sondern eine Marketingkategorie, in der völlig unterschiedliche Stile zusammengefasst werden.

Hans Wurst war der “stümperhafte” (und auch noch Stolz darauf) Bassist der Vomit Visions. Als Fanzine-Autor (“Same Old Song”, “Ultra Hard Core Punk Sounds”) hat er damals obskuren US-Punk bejubelt und die besten Texte gegen die Punk-Ideologie beziehungsweise gegen die ideologische Vereinnahmung des Punks geschrieben.

Und (natürlich) war er ein Hippie und (beinahe) auch ein Alt-68er.

Dieter K, 23. Juli 2007

Der Mythos vom linken Widerstandspotential ist glaube ich allerdings schon älter, der stammt ja noch von 68 und Kraut-Rock. Und die radikale Politik ist ja zum Teil auch erst von den Autonomen, die Punk für sich als kulturelle Ausdrucksform entdeckt (okkupiert) haben, hineingetragen worden.

Martin F., 24. Juli 2007

Ganz genau.

Von dem (späteren) „linken“ Deutsch-Punk habe ich (so gut wie) keine Ahnung. Da gab es diverse Szenen (Hamburg, Berlin) und die Chaos-Tage in Hannover gehören da wohl auch mit rein. Jedenfalls spielte Frankfurt da nur eine Nebenrolle.

(…) diese Art Stumpf-Punk war nun mal typisch für Frankfurt

Martin F., 24. Juli 2007

Da ich keine Böhsen-Onkelz-Platten besitze, habe ich mir ihre frühen Rock-O-Rama-Werke geliehen –und erstaunt festgestellt, dass die ziemlich gut sind. Das hält locker mit den besten Punk-Produktionen aus Düsseldorf oder Hamburg mit.

Kann da überhaupt nichts angeblich für Frankfurt typisches entdecken. Und so „dumb and dull“ wie der Durstige Mann klingen sie schon gar nicht.

Vomit Visions hatten kein Problem bei Herbert Egold’s Rock-O-Rama-Records zu veröffentlichen.

Martin F., 24. Juli 2007

Da EMI, CBS Records und Stiff eine Veröffentlichung abgelehnt hatten, mussten sie den erstbesten Vertrag akzeptieren …

Nein, im Ernst:

Rock-O-Rama war – lange bevor die zwei, drei anderen deutschen Versandhändler dazu kamen – die beste (einzige) Adresse für Punk aus US und UK. Hier hat sich Egoldt bleibende Verdienste erworben.

Weil die Vomit Visions aus ideologischen / prinzipiellen Gründen unbedingt Geld mit ihrer Musik verdienen wollten – und wer die „Punks Are The Old Farts Of Today“-EP gehört hat, weiß, welche Leistung es bedeutet, dafür bezahlt worden zu sein – kam die Gründung eines eigenen Labels – damals die große Mode – nicht in Frage.

Hans Wurst hat Egoldt 1978/79 bearbeitet, damit er ein Label gründet. Ausschlaggebend war letztendlich seine Empfehlung, die Razors (Hamburg) unter Vertrag zu nehmen, die – im Unterschied zu den Vomit Visions – kommerzielles Potenzial hatten.

Zu diesem Zeitpunkt (Ende 1979) gab es jedenfalls keinerlei Grund für besondere Bedenken gegenüber Egoldt / Rock-O-Rama.

(Nachdem Eric Hysteric Deinen Post gelesen hat, sagte er: „Wenn man einen Plattenvertrag unterschreibt, muss man immer Bedenken haben.“)

Außerdem waren die Vomit Visions nicht bei Egoldt / Rock-O-Rama unter Vertrag, sondern haben die EP lediglich für einen limitierten Zeitraum zur Veröffentlichung lizenziert. Alle Rechte an Aufnahmen und Kompositionen blieben bei der Band.

Womit wir schon bei Deinem letzten Punkt wären: Egoldt

(…) war zwar kein Hippie, aber wohl der skrupelloseste Geschäftemacher des Deutschpunk.“

Martin F., 24. Juli 2007

Richtig, Egoldt war kein Hippie – er war ein (Ex-)Teddy-Boy (und Malermeister).

Wenn Du „skrupellos“ auf den Nazi-Dreck beziehst, der Rock-O-Rama Jahre später großmachte, hast Du Recht.

In Bezug auf seine Geschäftsmethoden, die Verträge mit den Bands, bin ich mir nicht so sicher:

So weit ich weiß, hat Egoldt alle Kosten getragen und die Rechte an den Aufnahmen gegen einen Festbetrag (plus Freiexemplare) gekauft. Eine Umsatzbeteiligung in Form von Tantiemen war (in der Regel?) nicht vorgesehen.

Diese Vertragsbestimmungen waren – im Unterschied zu den üblichen Industrieverträgen – so leicht verständlich und eindeutig, dass sich alle Bands, die sich – zum Teil noch heute – darüber aufregen, fragen sollten, warum sie überhaupt unterschrieben haben.

„Skrupellos“ agierten jedenfalls auch andere deutsche Independent-Labels, darunter auch solche, deren Wirken – heute mehr denn je – verklärt wird:

Beispielsweise hat mindestens ein Labelboss seinen Musikern von einem GEMA-Beitritt abgeraten – und sich dann selbst als Autor bei der Verwertungsgesellschaft registrieren lassen. [5]

Außerdem nutzen gerade kleine Labels (bis heute) die (selbstverschuldete!) Unkenntnis der Musiker aus, in dem sie sich die Verlagsrechte an den Eigenkompositionen sichern, häufig ohne nennenswerte Gegenleistung. [6]

Und Moritz R® hat in seinem Buch „Der Plan. Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle“ über seine Erfahrungen mit einem Großhändler berichtet, der mit den Einnahmen aus dem Vertrieb von Plan-Platten den Auf- bzw. Ausbau eines Labels finanzierte. Dann meldete der Großhandel bankrott an und Der Plan bekam kein Geld. Das Label bzw. Nachfolgefirmen davon gibt es noch heute ….

Dieter K, 24. August 2008

 

[1] Die radikalste Maßnahme der Spontis gegen die Punks war der Rauswurf. Zum Beispiel wurde (mindestens) einmal ein Haufen Punks aus der Karl-Marx-Buchhandlung rausgeschmissen, weil sie sich stundenlang „Robin Hood“ und/oder „Susan Baker“ von Eric Hysteric & The Esoterics angehört hatten.

[2] „Punk in Frankfurt bestand 77/78 zu einem guten Teil aus Hippie-Bashing auf dem Flohmarkt“ (WALTER 1993. 34). Mitte 1978 gab es in Frankfurt circa 10 bis 15 Punks, denen tausende von Hippies gegenüberstanden, das heißt, Walters Vorstellung vom Hippie-Bashing auf dem Flohmarkt ist ein pures Produkt seiner journalistischen Phantasie.

[3] Dies gilt zumindest für die Vomit Visions, die zu 50 Prozent aus Soziologie-Studenten bestanden.

[4] Oder er hat keine Ahnung, wovon er spricht. Kenner der Materie wie Patrick Orth wussten schon in den 1980er Jahren, dass die Vomit Visions die Dead Kennedys beeinflusst haben & dass Der Durstige Mann zu den Lieblingsbands der Kritiker von Flipside & Maximum Rock’n’Roll gehörten (vgl. Eric Hysteric).

[5] Der Name ist der Redaktion bekannt!

[6] Diese Praxis war in Amerika schon in den 1920er Jahren üblich. In Deutschland dürfte der unter [5] angesprochene Labelboss zu den Vorreitern dieser üblen Masche zählen.

 

Literatur:

ANNAS, Max / Ralph CHRISTOPH (Hg.) (1993), Neue Soundtracks für den Volksempfänger. Nazirock, Jugendkultur & rechter Mainstream, Berlin: Edition ID-Archiv

REICHELT, Moritz (1993), Der Plan. Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle. Die Geschichte einer deutschen Band, Berlin: Martin Schmitz Verlag

WALTER, Klaus (1993), Dicker Stefan, gutes Kind, in: ANNAS / CHRISTOPH (Hg.) 1993, S. 26-46

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Neuer Boom in der Musikindustrie?

„Die Einnahmen der Musiklabels aus dem Streaminggeschäft sind im vergangenen Jahr weltweit um 60 Prozent nach oben geschnellt. Damit konnten die Musikabonnements die Einbußen aus dem mittlerweile stark schrumpfenden Geschäft mit Musikdownloads und den seit vielen Jahren bröckelnden CD-Verkäufen mehr als wettmachen.“

Neuer Boom in der Musikindustrie

Durch Musikabos konnten die Labels „die Einbußen aus dem mittlerweile stark schrumpfenden Geschäft mit Musikdownloads und den seit vielen Jahren bröckelnden CD-Verkäufen mehr als wettmachen“?

Die Realität sieht anders aus:

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Quelle: IFPI (2017), Global Music Report 2017. Annual State of the Industry, S. 11

Richtig ist, dass in fünf (2001, 2004, 2012, 2015 & 2016) der letzten 17 Jahre ein Umsatzwachstum zu verzeichnen war.

Dabei wurde 2016 mit einem globalen Umsatz von 15,7 Milliarden Dollar noch nicht einmal der Wert von 2009 (15,8 Milliarden Dollar) erreicht. [1]

Ob kostenpflichtige Streamingdienste tatsächlich die Zukunft sind (oder nichts anderes als die Klingeltöne Of Today), steht angesichts der kostenlosen Konkurrenz durch den Monopolisten Alphabet/Google/YouTube, der aufgrund schlechter Gesetze aus dem vergangenen Jahrtausend [2] praktisch in den Genuss von Zwangslizenzen kommt, sowie der hohen Verluste, mit denen der Marktführer Spotify arbeitet, noch lange nicht fest.

Ganz zu schweigen davon, ob – abgesehen von UMG, Sony Music und WMG (große Rechtekataloge, geringe Beteiligung für die Künstler bei alten Verträgen) Labels mit den niedrigen Lizenzgebühren, von denen bei neuen Verträgen mindestens 50 Prozent in die Taschen der Interpreten fließen, überleben können.

Nicht zynisch, sondern realistisch ist die Einschätzung von BMG CEO Hartwig Masuch:

„I am very cynical about the view that the good days have returned. Every renegotiation [with an artist] will cut down massively on the margin … Digital is portrayed as very complex… but if you take that cost out, how do you justify such a low rate? Why in the hell would an artist decide to take less than 75 per cent?“

BMG warns that music streaming boost could be shortlived

Von einem „Boom“ kann man jedenfalls nur sprechen, wenn man den Betrachtungszeitraum auf die letzen drei bis fünf Jahre beschränkt.

Was nicht sachgerecht ist.

Um die weggefallen CD-Verkäufe „wettzumachen“ und den Rekordwert von 1999 (23,8 Milliarden Dollar) zu erreichen, müsste der weltweite Umsatz der Phonoindustrie jedenfalls um 8,1 Milliarden Dollar oder 51,59 Prozent zulegen.

Und das dürfte noch zehn bis zwanzig Jahre dauern. Mindestens.

[1] Zu beachten ist, dass in den IFPI-Statistiken bis 2000 nur die Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf angegeben wurden, seit 2001 werden auch die Einnahmen aus dem Aufführungs- und dem Synchronisationsrecht mitgezählt. Diese lagen 2016 bei 2,6 Milliarden Dollar, was 16,5% des Gesamtumsatzes entsprach.

[2]  in den USA waren dies 1998 die „safe-habor-Klauseln des Digital Millenium Copyright Acts (17 U.S. Code § 512), in Europa die nach diesem Vorbild 2000 eingeführten Regeln der E-Commerce-Richtlinie (§§ 12-15) in Verbindung mit deren Umsetzung in die nationalen Gesetze, zum Beispiel 2007 zur Providerhaftung im deutschen Telemediengesetz (§§ 7-10 TMG).

Nena, Rodney Bingenheimer & Vomit Visions

Rodney Bingenheimer, Mayor of the Sunset Strip,

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1972 Gründer der English Disco (nach einer Idee von David Bowie) und einflussreicher Diskjockey (Rodney On The ROQ ab 1976) bei KROQ-FM in Pasadena, war der Erste, der in Amerika „99 Luftballons“ von Nena im Radio spielte.

Nena & Rodney

Im KROQ-Studio, Pasdadena: Nena bedanken sich bei Rodney, Foto © Musik Express (?)

Ob er auch die Vomit Visions spielte, ist nicht überliefert, aber das Cover der „Punks Are The Old Farts Of Today“ EP hatte er noch Mitte der 1980er Jahre immer im Blick.

Sgt. Pepper Recreated/Remixed

2017-03-31

Screenshot © Twitter

Offenbar hat Giles Martin auf Basis der originalen Session-Tapes das „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“-Album der Beatles recreated/remixed.

Ringo ist von der neuen Version begeistert:  Die Drums, die zuvor wegen der Overdubs zumeist nur in minderer Qualität im Hintergrund erklangen, sind nun laut und deutlich zu hören.

Wie vor 50 Jahren geplant sollen „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“ auf der neuen Version des Albums enthalten sein.

Apple Corps / Capitol / UMe Press release:

THE BEATLES CELEBRATE ‘SGT. PEPPER’S LONELY HEARTS CLUB BAND’
WITH SPECIAL ANNIVERSARY EDITION RELEASES

‘Sgt. Pepper’ Presented with New Mixes in Stereo and 5.1 Surround Audio; Expanded with Previously Unreleased Session Recordings, Video Features & Special Packaging

Previously Unreleased 1992 Documentary Film, ‘The Making of Sgt. Pepper,’ Restored for Anniversary Edition’s Super Deluxe Boxed Set

London – April 5, 2017 – It was 50 years ago this June 1st when The Beatles’ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, and Ringo Starr astonished and delighted the world, ushering in the Summer of Love with Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, a groundbreaking masterwork that became popular music’s most universally acclaimed album. To salute the occasion, The Beatles will release a suite of lavishly presented ‘Sgt. Pepper’ Anniversary Edition packages on May 26 (Apple Corps Ltd./Capitol/UMe). The album is newly mixed by Giles Martin and Sam Okell in stereo and 5.1 surround audio and expanded with early takes from the studio sessions, including no fewer than 34 previously unreleased recordings.

“It’s crazy to think that 50 years later we are looking back on this project with such fondness and a little bit of amazement at how four guys, a great producer and his engineers could make such a lasting piece of art,” says Paul McCartney in his newly-penned introduction for the ‘Sgt. Pepper’ Anniversary Edition.

“‘Sgt. Pepper’ seemed to capture the mood of that year, and it also allowed a lot of other people to kick off from there and to really go for it,” Ringo Starr recalls in the Anniversary Edition’s book.

For Record Store Day on April 22, Apple Corps Ltd./Capitol/UMe will release an exclusive, limited edition seven-inch vinyl single of The Beatles’ “Strawberry Fields Forever” and “Penny Lane,” among the first songs recorded during the ‘Sgt. Pepper’ sessions, which began in November 1966. Rather than being held for inclusion on the album, the two songs were released as a double A-sided single in February 1967. Amidst intense media speculation about the band’s next move, the single bridged what was then considered a long gap between the Revolver album, released in August 1966, and ‘Sgt. Pepper,’ which followed 10 months later.

This is the first time Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band has been remixed and presented with additional session recordings, and it is the first Beatles album to be remixed and expanded since the 2003 release of Let It Be… Naked. To create the new stereo and 5.1 surround audio mixes for ‘Sgt. Pepper,’ producer Giles Martin and mix engineer Sam Okell worked with an expert team of engineers and audio restoration specialists at Abbey Road Studios in London. All of the Anniversary Edition releases include Martin’s new stereo mix of the album, which was sourced directly from the original four-track session tapes and guided by the original, Beatles-preferred mono mix produced by his father, George Martin.

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band Anniversary Edition releases include:

A CD featuring the new ‘Sgt. Pepper’ stereo mix, complete with the original U.K. album’s “Edit for LP End” run-out groove.

Deluxe: Expanded 2CD and digital package features the new stereo album mix on the first CD and adds a second CD of 18 tracks, including previously unreleased complete takes of the album’s 13 songs, newly mixed in stereo and sequenced in the same order as the album. The second CD also includes a new stereo mix and a previously unreleased instrumental take of “Penny Lane” and the 2015 stereo mix and two previously unreleased complete takes of “Strawberry Fields Forever.”

Deluxe Vinyl: Expanded 180-gram 2LP vinyl package features the new stereo album mix on the first LP and adds a second LP with previously unreleased complete takes of the album’s 13 songs, newly mixed in stereo and sequenced in the same order as the album.

Super Deluxe: The comprehensive six-disc boxed set features:
CD 1: New stereo album mix
CDs 2 & 3:
– 33 additional recordings from the studio sessions, most previously unreleased and mixed for the first time from the four-track session tapes, sequenced in chronological order of their recording dates
– A new stereo mix of “Penny Lane” and the 2015 stereo mix of “Strawberry Fields Forever”
CD 4:
– Direct transfers of the album’s original mono mix and the “Strawberry Fields Forever” and “Penny Lane” singles
– Capitol Records’ U.S. promotional mono single mix of “Penny Lane”
– Previously unreleased early mono mixes of “She’s Leaving Home,” “A Day In The Life,” and “Lucy In The Sky With Diamonds” (a mix thought to have been erased from a tape in 1967, but discovered during archive research for the anniversary edition)
Discs 5 & 6 (Blu-ray and DVD):
– New 5.1 surround audio mixes of the album and “Penny Lane” by Giles Martin and Sam Okell, plus their 2015 5.1 surround mix of “Strawberry Fields Forever”
– High resolution audio versions of the new stereo mixes of the album and “Penny Lane” and of the 2015 stereo mix of “Strawberry Fields Forever”
– Video features: 4K restored original promotional films for “Strawberry Fields Forever,” “Penny Lane,” and “A Day In The Life;” plus The Making of Sgt. Pepper, a restored, previously unreleased documentary film (broadcast in 1992), featuring insightful interviews with McCartney, Harrison, and Starr, and in-studio footage introduced by George Martin.

– “A splendid time is guaranteed for all” –

The album’s vibrant artwork, including its extravagant Pop Art cover which finds The Beatles surrounded by a crowd of heroes in a 3D collage, was created by Peter Blake and Jann Haworth in collaboration with the band. The original artwork is showcased across the suite of Anniversary Edition releases, including the album’s pull-out sheet of ‘Sgt. Pepper’ cutouts. Housed in a 12-inch by 12-inch box with lenticular artwork and two bonus posters, the six-disc Super Deluxe set is presented with a 144-page hardcover book. The book includes new introductions by Paul McCartney and Giles Martin, and chapters covering comprehensive song-by-song details and recording information, the design of the cover, the album’s musical innovations and its historical context by Beatles historian, author and radio producer Kevin Howlett; composer and musicologist Howard Goodall; music producer and writer Joe Boyd; and journalists Ed Vulliamy and Jeff Slate, illustrated with rare photographs, reproductions of handwritten lyrics, Abbey Road Studios documentation, and original ‘Sgt. Pepper’ print ads. The Deluxe 2CD digipak is slipcased with a 50-page booklet abridged from the box set’s book, and the 2LP Deluxe Vinyl is presented in a faithful reproduction of the album’s original gatefold jacket.

– “We hope you will enjoy the show” –

Just as many ideas are sparked by chance, ‘Sgt. Pepper’ first sprang from a conversation between Paul and Beatles roadie Mal Evans on an airplane, when Mal’s request to pass the salt and pepper was misheard by Paul as “Sgt. Pepper.” The concept of who such a figure could be took root in Paul’s mind, blooming with the imagination of The Beatles as an Edwardian era military band — “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.” The Beatles’ creative wellspring for ‘Sgt. Pepper’ also flowed from such myriad sources as The Beach Boys’ Pet Sounds album, a Victorian circus poster (“Being For The Benefit Of Mr. Kite!”), a TV commercial for breakfast cereal (“Good Morning Good Morning”), a picture drawn by John’s young son, Julian (“Lucy In The Sky With Diamonds”), a teen runaway reported in the news (“She’s Leaving Home’), and Hindu teachings (“Within You Without You”).

– “Lend me your ears and I’ll sing you a song” –

Using the standard four-track tape recording equipment of the day, The Beatles collaborated with producer George Martin to achieve “the impossible,” as they dubbed it, to go as far out as they could with arrangements and new technology to realize their collective vision for Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. As George Martin described it, “We were into another kind of art form where you were putting something down on tape that could only be done on tape.” The Beatles clocked more than 400 hours in Abbey Road’s Studio 2 to record the album, wrapping sessions in April 1967.

– “I read the news today oh boy” –

Upon its release on June 1, 1967, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band initially spent 148 weeks in the British chart, including a total of 27 weeks at number one. During its first U.S. chart run, the album held the number one spot for 15 of the 88 weeks it appeared in the Top 200. ‘Sgt. Pepper’ won four GRAMMY Awards®, including Album of the Year, and it remains one of the most influential and bestselling albums of all time. In 2003, the U.S. Library of Congress selected ‘Sgt. Pepper’ for the National Recording Registry, recognizing the album as “culturally, historically, or aesthetically significant.” ‘Sgt. Pepper’ tops Rolling Stone magazine’s definitive list of the “500 Greatest Albums of All Time.”

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band Anniversary Edition
Tracklists

CD
(‘Sgt. Pepper’ 2017 Stereo Mix)
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
2. With A Little Help From My Friends
3. Lucy In The Sky With Diamonds
4. Getting Better
5. Fixing A Hole
6. She’s Leaving Home
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!
8. Within You Without You
9. When I’m Sixty-Four
10. Lovely Rita
11. Good Morning Good Morning
12. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13. A Day In The Life

Deluxe [2CD, digital]

CD 1: ‘Sgt. Pepper’ 2017 Stereo Mix (same as single-disc CD tracklist, above)

CD 2: Complete early takes from the sessions in the same sequence as the album, plus various versions of “Strawberry Fields Forever” and “Penny Lane”
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band [Take 9]
2. With A Little Help From My Friends [Take 1 – False Start And Take 2 – Instrumental]
3. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1]
4. Getting Better [Take 1 – Instrumental And Speech At The End]
5. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
6. She’s Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 4]
8. Within You Without You [Take 1 – Indian Instruments]
9. When I’m Sixty-Four [Take 2]
10. Lovely Rita [Speech And Take 9]
11. Good Morning Good Morning [Take 8]
12. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Take 8]
13. A Day In The Life [Take 1 With Hummed Last Chord]
14. Strawberry Fields Forever [Take 7]
15. Strawberry Fields Forever [Take 26]
16. Strawberry Fields Forever [Stereo Mix – 2015]
17. Penny Lane [Take 6 – Instrumental]
18. Penny Lane [Stereo Mix – 2017]

Deluxe Vinyl [180g 2LP]

LP 1: ‘Sgt. Pepper’ 2017 Stereo Mix (same as single-disc CD tracklist, above)
SIDE 1 SIDE 2
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band 1. Within You Without You
2. With A Little Help From My Friends 2. When I’m Sixty-Four
3. Lucy In The Sky With Diamonds 3. Lovely Rita
4. Getting Better 4. Good Morning Good Morning
5. Fixing A Hole 5. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
6. She’s Leaving Home 6. A Day In The Life
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!

LP 2: Complete early takes from the sessions in the same sequence as the album
SIDE 3
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band [Take 9 And Speech]
2. With A Little Help From My Friends [Take 1 – False Start And Take 2 – Instrumental]
3. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1]
4. Getting Better [Take 1 – Instrumental And Speech At The End]
5. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
6. She’s Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 4]

SIDE 4
1. Within You Without You [Take 1 – Indian Instruments]
2. When I’m Sixty-Four [Take 2]
3. Lovely Rita [Speech And Take 9]
4. Good Morning Good Morning [Take 8]
5. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Take 8]
6. A Day In The Life [Take 1 With Hummed Last Chord]

Super Deluxe [4CD/DVD/Blu-ray boxed set]

CD 1: ‘Sgt. Pepper’ 2017 Stereo Mix (same as single-disc CD tracklist, above)

CD 2: Complete early takes from the sessions, sequenced in chronological order of their first recording dates
1. Strawberry Fields Forever [Take 1]
2. Strawberry Fields Forever [Take 4]
3. Strawberry Fields Forever [Take 7]
4. Strawberry Fields Forever [Take 26]
5. Strawberry Fields Forever [Stereo Mix – 2015]
6. When I’m Sixty-Four [Take 2]
7. Penny Lane [Take 6 – Instrumental]
8. Penny Lane [Vocal Overdubs And Speech]
9. Penny Lane [Stereo Mix – 2017]
10. A Day In The Life [Take 1]
11. A Day In The Life [Take 2]
12. A Day In The Life [Orchestra Overdub]
13. A Day In The Life (Hummed Last Chord) [Takes 8, 9, 10 and 11]
14. A Day In The Life (The Last Chord)
15. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band [Take 1 – Instrumental]
16. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band [Take 9 And Speech]
17. Good Morning Good Morning [Take 1 – Instrumental, Breakdown]
18. Good Morning Good Morning [Take 8]

CD 3: Complete early takes from the sessions, sequenced in chronological order of their first recording dates
1. Fixing A Hole [Take 1]
2. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
3. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Speech From Before Take 1; Take 4 And Speech At End]
4. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 7]
5. Lovely Rita [Speech And Take 9]
6. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1 And Speech At The End]
7. Lucy In The Sky With Diamonds [Speech, False Start And Take 5]
8. Getting Better [Take 1 – Instrumental And Speech At The End]
9. Getting Better [Take 12]
10. Within You Without You [Take 1 – Indian Instruments Only]
11. Within You Without You [George Coaching The Musicians]
12. She’s Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
13. She’s Leaving Home [Take 6 – Instrumental]
14. With A Little Help From My Friends [Take 1 – False Start And Take 2 – Instrumental]
15. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Speech And Take 8]

CD 4: ‘Sgt. Pepper’ and bonus tracks in Mono
(Tracks 1-13: 2017 Direct Transfer of ‘Sgt. Pepper’ Original Mono Mix)
14. Strawberry Fields Forever [Original Mono Mix]
15. Penny Lane [Original Mono Mix]
16. A Day In The Life [Unreleased First Mono Mix]
17. Lucy In The Sky With Diamonds [Unreleased Mono Mix – No. 11]
18. She’s Leaving Home [Unreleased First Mono Mix]
19. Penny Lane [Capitol Records U.S. Promo Single – Mono Mix]

DISCS 5 & 6 (Blu-ray & DVD)
Audio Features (both discs):
– New 5.1 Surround Audio mixes of ‘Sgt. Pepper’ album and “Penny Lane,” plus 2015 5.1 Surround mix of “Strawberry Fields Forever” (Blu-ray: DTS HD Master Audio 5.1, Dolby True HD 5.1 / DVD: DTS Dolby Digital 5.1)
– High Resolution Audio versions of 2017 ‘Sgt. Pepper’ stereo mix and 2017 “Penny Lane” stereo mix, plus 2015 “Strawberry Fields Forever” hi res stereo mix (Blu-ray: LPCM Stereo 96KHz/24bit / DVD: LPCM Stereo)
Video Features (both discs):
– The Making of Sgt. Pepper [restored 1992 documentary film, previously unreleased]
– Promotional Films: “A Day In The Life;” “Strawberry Fields Forever;” “Penny Lane” [4K restored]

RIP Chuck Berry 1926-2017

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If you tried to give rock and roll another name, you might call it ‚Chuck Berry‘.                                                                                                                                                                                       John Lennon

Why Chuck Berry Is Even Greater Than You Think

Chuck Berry’s Biggest Billboard Hits

The rock’n’roller who wrote the soundtrack to teen rebellion

Chuck Berry reviews Sex Pistols, Talking Heads, Clash and more (1980)

UK Subs & The Pack, London Electric Ballroom, 18. August 1979

Von Eric Hysteric (Same Old Song, Nr. 25, September/Oktober 1979)

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Ticket, Wasted Vinyl Collection

Die UK Subs sind eine der besten Live-Bands. Sie spielen von der ersten bis zur letzten Minute in einem Höllentempo. Alle ihre Songs sind kurze, kochende Vulkanausbrüche.

Charlie Harper, der Sänger, schreit jedes Wort heraus und hüpft dabei wie ein Verrückter auf der Bühne herum. Dann springt er ins Publikum, wo ihn die Pogo-tanzende Menge fast zertrampelt hätte.

Auch Gitarrist Nick Garratt steht keine Sekunde still: Er spiel im laufen, springen, fallen, liegen – in allen erdenklichen Positionen.

Drummer Peter Davies und Paul Slack am Bass sorgen für einen ungeheuer präzisen, powervollen Rhythmus-Hintergrund.

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Charlie Harper beim signieren © Dieter K

Die Show der UK Subs mag etwas übertrieben sein, aber ihre Musik kommt voll rüber. Wer sie live erleben will, muss bis nächstes Jahr warten (bis dahin werden die deutschen Veranstalter aufgewacht sein) oder nach Holland oder Belgien fahren, wo sie im Oktober auftreten.

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Stranglehold / World War – Rockers, Single, Cover-Rückseite, GEM Records,  GEMS 5, 1979, Signed, Wasted Vinyl Collection

Im Vorprogramm gab es neben den Last Words noch The Pack, die einige starke Riffs drauf haben. Ihre Musik ist – wie sie selbst sagen – kein Punk. Mir fällt auch keine passende Bezeichnung ein.

Der Sänger, Kirk Brandon, hat eine der abscheulichsten Stimmen aller Zeiten, und während ihres Auftritts musste ich ein paar Mal das Weite suchen. Es war einfach nicht auszuhalten!

Ihre erste Single, „Heathen“ b/w „Brave New Soldier“, SS Records, PAK 1, erschien im Juni und ist gar nicht so schlecht.

Terry Razors SS-Label haben The Pack inzwischen verlassen und die nächste Single, „King Of Kings“ b/w „No. 12“ dürfte im September bei Rough Trade erscheinen. [1]

Drummer von The Pack ist übrigens Jim Walker, Ex-PIL. Wie er mir sagte, verließ er Public Image Ltd. weil sie in acht Monaten kaum Auftritte hatten und außerdem gefiel ihm die Musik nicht besonders.

Back-Stage-Pass

Back Stage Pass, Wasted Vinyl Collection

[1] Aus The Pack ging 1980 Theatre Of Hate hervor

Eric Hysteric Rarities V

Vielen Dank an Bierhirn für die genialen Videos!

Der Durstige Mann, Leichen Sind Wie Du – Nur Tot! / Liebesleid, Orgasm 8, Orgasm Records 1988

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Einzelstück: Fehl-Pressung (off center hole), ohne Labels, rotes Vinyl

 

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Orgasm 8 A, Orgasm Records 1988, Wasted Vinyl Collection

 

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Orgasm 8 B, Orgasm Records 1988, Wasted Vinyl Collection

Dave Robinson Speaks (4/10/1979)

(Von Dieter K, Same Old Song, Nr. 26, Dezember 1979)

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? (vom Musikverlag Street Music) & Dave Robinson © Dieter K

Dave Robinson, Stiff-Records-Mitgründer und mittlerweile alleiniger Besitzer, war für einen Tag nach Wiesbaden gekommen, um sich Stiffs große Hoffnung anzusehen: Lene Lovich.

Als Stiff-Fan der ersten Stunde nutzte ich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit ihm.

DK: Vor einem Jahr, nach der Be-Stiff-Tour, sah es ja nicht besonders rosig für Stiff Records aus.

DR: Ja, wir hatten alles Geld in die Tour gesteckt und obwohl die Gigs fast alle ausverkauft waren, hatten wir natürlich mehr Unkosten als Einnahmen.

DK: Und die direkten Hits blieben aus.

DR: Leider. Es war klar, dass Jona Lewie keine Musik für die Charts macht [1], aber ein Hit für

Wreckless Eric oder

Rachel Sweet hätte schon herausspringen können.

DK: Zum Glück habt ihr ja noch Ian Dury.

DR: „Hit Me“ verkaufte sich sehr, sehr gut. Es ist schon richtig, durch Dury haben wir eine kräftige Finanzspritze erhalten.

Und Lene schaffte es dann in die Top Ten mit „Lucky Number“.

DK: Ich habe nie so ganz verstanden, wieso ihr zum Beispiel die Members bekannt gemacht und dann an Virgin abgegeben habt.

DR: Das war von Anfang an ein one off deal.

DK: Auf Dauer ist sowas aber nicht zu machen?

DR: Heute ist es ja fast schon umgekehrt: Madness waren zuerst auf 2 Tone, jetzt haben wir sie.

DK: Gibt es sonst noch neue Acts auf Stiff?

DR: Die Feelies aus Amerika. Sie klingen ähnlich wie Devo. Ziemlich irre. Sie schickten mir ein Band, es gefiel mir und jetzt nehmen sie gerade ein Album für uns auf.

DK: Wer entscheidet, wen ihr unter Vertrag nehmt?

DR: Wir sind ziemlich demokratisch und da wir nicht allzu viele Leute sind, redet so ziemlich jeder mit.

DK: Ihr seid unabhängig von Geldgebern, amerikanischen Vertriebsfirmen und ähnlichem?

DR: Natürlich, wir sind kein Sub-Label eines Riesenkonzerns: Sie vertreiben unsere Platten, sie arbeiten für uns.

DK: Die meisten anderen kleinen Labels, die vor ein paar Jahren entstanden, sind ja sehr eng an „große Brüder“ angelehnt.

DR: Leider richtig. Aber es gibt noch genügend neue, völlig selbstständige Firmen, die ganz spezielle Sachen machen.

DK: SS Records hat nichts mit Stiff zu tun?

DR: Nein, das ist das Label von Terry [Razor].

DK: Bring ihr auch in Zukunft Sachen wie die Singles von Humphrey Ocean oder

Max Wall raus? Ich fand das immer sehr lustig.

DR: Ja, natürlich. Spaß muss sein.

DK: Lene hat mir von der deutschen Fassung von „I Think We’re Alone Now“ erzählt. Wäre doch schade, wenn die im Archiv verschimmelt.

Dave Robinson stutzt einen Moment, dann zückt er ein Diktiergerät und spricht eine Notiz auf Band. Vielleicht erscheint ja bald eine Lene-Lovich-Single auf deutsch. [2]

DK: Warum gab es von der Be-Stiff-Tour keine Live-LP?

DR: Wir haben es einmal gemacht, das reicht.

DK: Live Stiffs ist mit das Beste, was ihr jemals veröffentlicht habt. Überlegt euch das noch mal.

Wreckless Eric ist live unschlagbar.

DR: Oh ja, chaotisch. Hast Du ihn gesehen, er war vor ein paar Wochen in Deutschland auf Tour.

DK: Leider nein, aber ich kann mich gut an letztes Jahr erinnern. Übrigens, wann gibt es denn wieder einen Stiff-Shop?

DR: Wahrscheinlich noch vor Weihnachten. Und nicht so weit weg von uns. [3] Philippa [Thomas] hat ganz schön zu tun mit dem Mail-Order-Service.

DK: Im Sommer war ich mal bei ihr unten im Keller [in der Alexander Street] und hab‘ nach Raritäten gesucht. Gibt es die Interview-LP jetzt?

DR: Ja, alles. Im Shop. Aber wir sind eine Plattenfirma und kein Museum. Was weg ist, ist weg.

Soweit Dave Robinson, der mit Lenes Auftritt sehr zufrieden war und danach freudestrahlend durch die Wartburg irrte.

[1] Hier irrte sich Dave gewaltig

[2] Bislang bleibt die deutsche Version verschollen.
[3] Tatsächlich war der Laden dann in der Tavisstock Street (Covent Garden), meilenweit entfernt vom Stiff-Hauptquartier.

Heute vor 40 Jahren: Stiff Records veröffentlicht die erste LP der Damned

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Damned Damned Damned, Stiff Records, SEEZ 1, 1977, First Edition, Front, Wasted Vinyl Collection

Am 18. Februar 1977 veröffentlichte Stiff Records (wer sonst?) das erste britische Punkalbum: Damned Damned Damned von The Damned.

Wie bei Stiff üblich, gab es auch bei diesem Album einen billigen effektiven PR-Gag: Die ersten 5.000 Exemplare waren in eine von Barney Bubbles designte Schrumpffolie eingeschweißt.

Damned Back.jpg

Damned Damned Damned, Stiff Records, SEEZ 1, 1977, First Edition, Back, Wasted Vinyl Collection

Außerdem waren auf der Rückseite nicht die Damned, sondern die Island-Records-Künstler Eddie & The Hot Rods abgebildet.

Dabei handelte es sich (natürlich) nicht um einen „Fehler der Plattenfirma“, sondern Stiff und der Partner Island Records (Herstellung und Vertrieb der Stiff-Platten) erzeugte auf diese kreative Weise Aufmerksamkeit.

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Back cover detail: Eddie & The Hot Rods picture with sticker

Stickertext:

Erratum

Due to Record Company error, a picture of Island recording artists Eddie & The Hot Rods has been printed instead of The Damned. We apologise for any inconvenience caused and the real picture will be substituted on future copies.

The Road to Reggae: Babylon by Bus

Von Volker H (Same Old Song, Nr. 31, Dezember 1980)

Die Hippies kommen aus Kalifornien und hatten ihren Höhepunkt Mitte bis Ende der 1960er Jahre?

Falsch!

Die hippiehafsten Hippies, die es je gab, leben heute, und zwar in Jamaika und London.

Sie nennen sich „Rastas“.

Rastafarians tragen lange geflochtene Zöpfe, rauchen auf Deibel komm‘ raus Shit und stinken wie die Pest, weil sie sich obendrein nur zweimal im Jahr waschen.

Rastas sind schwer religiös und beten mehrmals täglich zu ihrem Obermacker, den sie „Jah“ nenen.

Ersatzweise beten sie dessen irdischen Statthalter an: Haile Selassie, früherer Kaiser von Äthiopien.

Ich nehme an, das letzte haltet ihr für ein bisschen weit hergeholt.

Aber es stimmt wirklich:

Für die Rastas ist Haile Selassie Gottes Sohn!

Das musst du dir mal vorstellen!

Wo leben wir den?

Rastas sind auch üble Faschisten. Sie predigen die Überlegenheit der schwarzen (ausgerechnet!) Rasse und Frauen sind für sie der letzte Dreck.

Während ihrer Periode gelten Frauen als „krank“ oder „unrein“, jedenfalls dürfen sie während dieser Zeit nicht mal das Essen für die Männer machen.

Finsterstes Mittelalter!

Was ich hier niederschreibe stimmt alles tatsächlich und ist keineswegs erfunden oder so!

Aber es kommt noch schlimmer.

Wie allgemein bekannt, haben die Rastas eine rituelle Stammesmusik kreiert: den Reggae.

Im Grunde genommen sind mir die Texte und die politischen oder sozialen Begleitumstände bei Musik ja herzlich egal.

Erstens versteh‘ ich kein Wort und zweitens interessiert mich letztlich nur die Musik.

Beim Punk, zum Beispiel, kann man den ganzen ideologischen Ballast sehr gut rechts liegen lassen.

Aber bei Reggae?

Also, da hab‘ ich meine Zweifel.

Aber ich nehme an, das könnte man mehr oder weniger doch alles verdrängen.

All diesen religiösen Mist und die ganze rassistische Ideologie der Rastas würde ich mir zur Not gefallen lassen, beziehungsweise, ich würde sie ignorieren.

Aber Reggae ist wirklich viel schlimmer als alle reaktionäre Propaganda:

Reggae ist grauenhaft schlechte Musik.

Reggae bringt mich zur Weißglut.

Für mich ist Reggae die abartigste Musik, die sich je ein Menschenhirn ausgedacht hat.

Andere Leute haben da natürlich ganz andere Vorstellungen und kommen damit argumentativ ganz schnell in Teufels Küche.

Denn wie soll man Reggae verteidigen?

Ich meine, es gibt doch zwei Möglichkeiten, Musik zu betrachten:

Erstens: Mich interessiert nur die Musik (nach dem Motto: ist ja doch nur banale Unterhaltung, alles andere ist mir scheißegal). Wegen mir auch: Da kann ich gut zu tanzen oder so, obwohl ich Leute, deren Lebensinhalt das Tanzen ist, wahrscheinlich noch mehr hasse als Rastas.

Zweitens: Man interessiert sich für Musik im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang (der ja tatsächlich existiert!). Dann bleibt einem aber auch nix anderes übrig, als mit der Musik den ganzen Rasta-Humbug zu verteidigen.

Und dann wird es peinlich…

Denn wer läuft schon in Mitteleuropa mit Dreadlocks rum?

Was soll ein weißer Mittelstandsbürger mit asozialen Karibikflüchtlingen zu tun haben?

Wer würde hierzulande Haile Selassie anbeten?

Jeder Versuch, hier eine gemeinsame politische Basis zu finden, ist doch a priori zum Scheitern verurteilt.

Zum Beispiel wurde gesagt, beide „Kulturen“, Punk und Reggae, würden vom sogenannten Establishment (ein fürchterlich verschwommener Begriff) unterdrückt.

Rock against Racism!

Da kann ich doch nur lachen!

Denn die Rastas sind schließlich genauso schlimme Rassisten wie die Nazis!

Dass man dieses Pack unterdrück, finde ich genau richtig.

Verboten gehört dieser ganze Mist!

Man muss sich nur mal vorstellen, die Rastas würden die Welt beherrschen.

Dagegen ist der US-Imperialismus von heute ein Honigschlecken!

Den ganzen Tag Reggae…

Wie gesagt, all das wäre mir egal, wenn Reggae als Musik nicht so schlecht wäre.

Ich finde Reggae wirklich schlimmer als Jazz, Country oder Blasmusik.

Reggae muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden!

Und zum Abschluss sei noch folgendes gesagt:

Ich finde es sehr verdächtig, wenn hier jemand erzählt, wie toll er Reggae findet.

Wie soll man solch eine Geschmacksverirrung überhaupt erklären?

Modeerscheinung?

Ein tieferer Zusammenhang zwischen Hippie- und Punk-„Kultur“?

Oder wie oder was?

Auch in diesem Fanzine schleichen sich mitunter gewisse Tendenzen ein, die ich gar nicht goutiere.

Wenn ihr Milchbubis in Zukunft etwas über Reggae in dieser Zeitung findet:

SCHNELL WEITERBLÄTTERN!